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Jeschurun · 1916-02-01 · Heft 2 (Februar 1916) · p. Seite 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 2 (Februar 1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 98 (sequence 34)
Language
German
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98 Weltu. Lebensanschauung in Ibsens ,,Kaiser u. Galiläer“. wieder erwecken, denn sie haben ihm zum Siege verholfen und nicht der hemmende Gott seines Kinderglaubens. Dabei wird seine Toleranz, die er allen gegenüber versprach, allmählich zum Haß gegen die Christen, denen die Überzeugung kein Kachgeben erlaubt. Er wird ihr grausamster Verfolger. Sie aber werden immer fester in ihrem Glauben, die Parteien schwinden, und Julian muß erkennen, daß der Galiläer mächtiger ist als er. Die Erwägung, daß sein Auftreten als Gott dem Galiläer die Macht gab, treibt ihn dazu, auch sich als Gott verehren zu lassen, um so das Heich der geeinten Schönheit und Wahrheit zu gründen. Das Glück verläßt ihn aber auf dem Feldzug gegen die Perser. Er wird in der Schlacht von einem Christen verwundet und stirbt, während der Christ Jovian nach siegreicher Schlacht zum Kaiser ausgerufen wird. I. Die Weltanschauung. Durch die Grundzüge dieser groß angelegten Handlung geht eine gewisse logische Konsequenz. Doch auch unvorhergesehene scheinbar nicht motivierte Ereignisse spielen sich ab. Sie finden zum größten Teil ihre Erklärung in einer Holle, die von einer unsichtbaren Macht gespielt wird, von der Weltleitung. Wenn Ahnungen eintreten und Prophezeiungen ausgesprochen werden, die bald ihre Bestätigung finden; wenn ein Tempel einstürzt, und dies Julian hindert, ihn zu betreten, nachdem der Kaiser von einem christlichen Priester gewarnt worden ist, er solle es nicht tun, wenn Jovian die Meldung von dem mißlungenen Versuch, den Tempel zu Jerusalem aufzubauen, gerade in dem Augenblick bringt, da Julian behauptet, mit dem Aufbau dieses Tempels die Lügen früherer Propheten zu beweisen* so ist es klar, daß eine überirdische Gewalt vorausgesetzt ist, die lenkend eingreift. Es mag sein, daß Ibsen selbst an eine solche Weltleitung geglaubt hat. Die mystischen Scenen dagegen, in denen Maximos eine große Holle spielt, sind nur dichterische Mittel, um die Ge- *danken des Dichters möglichst eindrucksvoll für den Zuhörer zu formen.

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