Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1916)
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 92 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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q2 Deutschland und die Ostjudenfrage. zu dem Lande, in dem die Ostjuden jetzt weilen, nicht abträglich sein. Dafür sind die Zionisten aller Länder ein lebendiger Beweis. Aber daß die Zurückstellung der jetzt bei den Ostjuden alles beherrschenden religiösen Gedankenwelt hinter die der nationalen Idee geeignet ist, die religiöse Grundläge zu untergraben, dieser Meinung sind wir freilich. Davon werden wir die Zionisten nicht überzeugen können. Aber eines geben wir ihnen zu bedenken: Man hat mit Beeilt gesagt, daß die Idee des modernen Nationaljudentums ein Produkt der Assimilation ist, daß sie nicht organisch aus dem Judentum herausgewachsen, sondern in einer Zeit der Vorherrschaft des Nationalitätsgedankens als Nachahmung der Bestrebungen anderer Völkerschaften entstanden ist. Eine solche moderne Kulturidee kann die Menschen, die sie zu ihrem Ideal erheben, zu manchen Bestrebungen führen, zu manchen Taten hinreißen, die sie ihrem Ziele näher führen. Niemals wird sie die Kraft haben, welche die Bekenner des überlieferten Judentums befähigte, in ihrer jahrtausendlangen Wanderung einer ganzen Welt von Feinden zu widerstehen. Wollen die Zionisten die Ostjuden auch zu Nationaijuden machen, nun gut. sie werden, soweit es in ihrer Macht steht, sich auch darin nicht beirren lassen. Aber daß sie ängstlich bedacht sein müssen, der Masse die angestammte Treue zu den Formen ihrer Religion zu wahren, das liegt in ihrem eigensten Interesse. Sonst schlachten sie die Henne, die ihnen die goldenen Eier legt. Unter den durch eine überhastete und unverdaute Bildung Entwurzelten werden sie schwerlich die Männer finden, die für die Hingabe an ein nationaljüdisches Ideal ihr ganzes Selbst einsetzen möchten. Soweit wir sehen, treten daher auch die Zionisten für eine jüdische Erziehung nach alter Überlieferung ein. Es ist nur zu wünschen, daß sie bei der Durchführung denen den Vorrang lassen, die nur um der Religion willen sich darum bemühen und die daher am ehesten geeignet sind, das Werk zur rechten Vollendung zu bringen. Aber auch unter den liberalen Juden Deutschlands haben die Männer, die die Ostjuden germanisieren oder polonisieren