Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1916)
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 91 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutschland und die Ostjudenfrage. 9T erwünschte Balm zu drängen. Was aber nach menschlichem Ermessen geschehen kann, um staatstreue Bürger, Menschen, die sich in die Verhältnisse schicken, zu bilden, sie an ihre engere Heimat zu fesseln und jede Überflutung des ursprüngliehen deutschen Reichsgebietes zu hindern, das kann nur auf dem Wege geschehen, den wir vorgezeichnet. Wie schön wäre es, wenn alle deutschen Juden die gleiche Meinung vertreten würden, wenn alle die, deren deutschvaterländische Gesinnung außer Zweifel steht, die deutsche Regierung in gleicher Weise unterrichten würden. Das ist. wie bekannt, bedauerlicherweise nicht der Fall. Aber bei Lichte besehen, ist es doch nur ein sehr kleiner Teil, der etwas völlig anderes will, und dieser kleine Teil nimmt vielleicht eine sozial hohe Stellung ein, ist beamtet und betitelt, hat aber von dem Geist des Ostjudentums keinen Hauch verspürt und weiß von seiner Art und seinem Wesen nicht mehr als jeder Nichtjude. Der Zionismus, dessen Hauptbegründer, bedeutendste ürganisatoren und literarische Vertreter ja Deutsche waren und sind, hat scheinbar ein anderes Ziel. Was er will und vor allem mit dem Ostjudentum will, ist der breitesten Öffentlichkeit bekannt geworden. Die Partei ist auch jetzt im Kriege in der journalistischen Betätigung überaus rührig; aus Gründen, die sicher den Zionisten selbst nicht lieb sind, stehen ihr auch die Spalten der nichtjüdischen Presse offen. Sie wünscht die Erziehung der Ostjuden zu überzeugten Nationaljuden. Daß sie es in der überwiegenden Masse jetzt nicht sind, jedenfalls nicht in dem Sinne, wie das moderne Nationaljudentum seinen Grundideen nach aufgefaßt werden muß, wird sie selbst nicht bezweifeln. Diesen Grundideen nach ist das moderne Nationaljudentum, da erübrigt sich für den Kenner der Literatur jedes Wort, zwar nicht irreligiös, aber areligiös. Es stellt sich grundsätzlich durchaus indifferent zur Religion. Die Erziehung in diesem Sinne wird — davon sind wir trotz aller Gegnerschaft gegenüber dem Nationaljudentum überzeugt — der Entwickelung des Staatsgedankens und der Staatstreue