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Jeschurun · 1916-02-01 · Heft 2 (Februar 1916) · p. Seite 90

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 2 (Februar 1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 90 (sequence 26)
Language
German
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go Deutschland und die Ostjudenfrage. Kampf mit den Forderungen der Rechtlichkeit haben stehen müssen, weil sie sonst eben nicht am Leben geblieben wären. Aber das neue Geschlecht wird den ungeheuren Fonds von Recht und Sittlichkeit, mit dem es aus dem intensiven Bibelunterricht genährt ist, in die Wirklichkeit umsetzen zu ihrem Glück und zum Wohl des Staates. Es gibt hochgesinnte deutsche Beamte, die das wohl verstehen. Da war ein Jude, der hatte die Bewilligung bekommen, vier Wagen auszuführen. Er fälschte den Schein auf vierzig um, fuhr dem Gesetz zuwider auf verbotenem, nicht zu kontrollierenden Wege und bestach auch einen Soldaten. Also ein ganzer Rattenschwanz von Verbrechen, wenn sie auch keinen Erfolg gehabt: denn er hatte doch nur vier Wagen ausgeführt. Seine einzige Verteidigung war: ״Dreißig Jahre habe ich mich unter den Russen ernährt und nur ernähren können, indem ich falsche Wege ging. Vier Wochen sind die Deutschen hier, und ich soll mich schon geändert haben?u Der deutsche Richter war ein weiser Mann, er sprach ihn frei. Wir verlangen nicht, daß gute Menschen über diese Bevölkerung schalten sollen, aber sie wollen weise sein. Sie sollen sich in die Vergangenheit dieser Menschen versetzen, Geduld mit ihren Schwächen haben und aus der Erkenntnis, daß fast alles Schlechte nur von außen kam und nichts aus ihren Bildungsquellen, dem jungen Geschlecht die Möglichkeit lassen, sich diese Quellen zu erschließen. Ich habe in diesem Aufsatz als gesetzestreuer Jude gesprochen — nicht als Parteimann, nicht im Aufträge oder angeregt von irgend einer Organisation, sondern aus meiner Kenntnis dieser Juden und aus dem Bestreben heraus, daß das gesetzestreue Judentum in der großen Masse, wo es noch so fest wurzelt, erhalten bleibt. Aber ich könnte nicht anders sprechen — das ist meine inuerste Überzeugung — wenn ich als nichtjüdischer Germane spräche, dem die religiöse Zukunft dieser Masse durchaus gleichgültig ist. und der ausschließlich an das Interesse Deutschlands denkt. Ein jeder weiß, daß es keiner Staatsgewalt, ja auch keiner privaten Erziehungsin־ stitution gegeben ist. das künftige Geschlecht unbedingt in die

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