Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1916)
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 85 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutschland und die Ostjudenfrage. 35 voraussetzen — und das wird, wo es noch nicht vorhanden ist, in absehbarer Zeit heranzubilden sein — das an diese Beziehungen überall verständnisvoll ankniipft und die nötigen Bemerkungen aus Naturlehre, Geschichte und Geographie einfließen läßt, so ist ein beträchtlicher Teil des aus den profanen Gebieten nötigen Wissens spielend zum Eigentum des Kindes geworden und haftet besser als das aus dem schematischen Unterricht Gewonnene. Es ist so die Möglichkeit gegeben, für die sonst in der Volksschule üblichen Fächer, wie Lese- und Schreibunterricht etwa in der deutschen Sprache, das Rechnen usf. mit einem geringen Maß von Stunden auszukommen. Dazu kommt noch eins: Der Cheder ist nicht allein Schule, sondern in gewissen! Sinne Internat. Er erspart den Kindern die Hausarbeit, schützt sie vor den Gefahren der Straße, vor dem Elend der Häuslichkeit der Armen. Die hygienischen Schäden zu heben, die aus schlecht geleiteten Internaten und aus der geistigen Uberbürdung der Kinder sich ergeben, liegt im Bereiche der Möglichkeit und wird Sache der verantwortlichen Instanzen sein. Der Cheder — haben wir gesehen — ersetzt die Volksschule, ja er ist noch mehr, ein Stück Realschule. Das gesamte niedere Schulwesen muß aber so beschaffen sein, daß das höhere daran anknüpfen, ja daß selbst die höchste Form, die Hochschulbildung, in ihm sein Fundament erkennen kann. Wir wissen alle, daß dies Ideal auch nicht in Westeuropa verwirklicht ist. Um so befremdlicher wird es wirken, wenn wir die Behauptung aufstellen, daß im Ostjudentum diese organische Verbindung zwischen der Vorbereitung im niederen Schulwesen und der Hochschulbildung vorhanden ist. So hat der Cheder noch eine viel höhere Bedeutung, als aus der obigen Darstellung zu erkennen. Hier können wir freilich nur . die Behauptung aufstellen. Um das zu beweisen, müßten wir den Charakter der Hochschulbildung des Ostjudentums schildern. Sie ist wiederum material eine völlig andere als die Westeuropas, steht ihr aber nach ihrem formalen Wert,