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Jeschurun · 1916-02-01 · Heft 2 (Februar 1916) · p. Seite 84

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 2 (Februar 1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 84 (sequence 20)
Language
German
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84 Deutschland und die Ostjudenfrage. für die allgemein kulturelle und ökonomische Hebung der Massen des Ostjudentums darunter leidet. Der Chederunterricht soll jedem jüdischen Kinde die Vertrautheit mit dem großen Komplex aller jüdisch-religiösen Pflichten vermitteln, es befähigen, die Bibel im Urtext zu lesen und zu verstehen und ihm die Elemente der Quellen der mündlichen Lehre zu erschließen, so daß die Fähigkeit erworben wird, bei fernerer Weiterarbeit unter rechter Anleitung den Weg in die gesamte jüdische Literatur zu finden. Dies Ziel muß festgehalten werden, soBen dem zukünftigen Geschlecht aus seiner Erziehung die sittlich-religiösen Kräfte zufließen, die das alte befähigte, die Stürme zu überstehen und unter dem furchtbarsten Druck und den schreckliehsten Verfolgungen sich den sittlichen Halt zu bewahren, der es vor völliger Verwahrlosung geschützt hat. Daß das im deutschen Interesse ebenso sehr wie im jüdischen liegt, haben wir schon angedeutet und wir kommen noch darauf zurück. Es ist klar, daß ein solches Ziel nur erreicht werden kann, wenn dieser Unterricht mit einer für westeuropäische Anschauungen vom Volksunterricht durchaus unangemessenen Intensität getrieben wird. Aber der Fehler dieser Beurteilung liegt darin, daß dieser Unterricht mit unserem Religionsunterrieht verwechselt wird. In Wirklichkeit ersetzt er sowohl nach seiner formalen als nach seiner materialen Bedeutung einen guten Teil der Schulbildung eines Realschülers. Ein Kind, das auch nur den Pentateuch im Urtext beherrscht, hat bei allem Fehlen philologischer Schulung — und diese Schulung wird, wie oben erwähnt, jetzt immer mehr im Cheder berücksichtigt — die Fähigkeit erlangt, in zwei verschiedenen Sprachen zu denken und dadurch ein gut Teil von dem erreicht, was wir in unserenSchulenmit dem fremdsprachigenUnterrichtbezwecken. Aber auch material hat es eine mannigfaltige Fülle des Wissens sich angeeignet. Gibt es doch kaum eine Beziehung zu den Dingen der Welt, die nicht allein schon im Pentateuch angeschnitten wird. Und wenn wir ein geeignetes Lehrermaterial

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