Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1916)
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 80 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Deutschland und die Ostjudenfrage. der religiösen Unterweisung, das Lernen von Bibelsprüchen und dgl. die rechte ist. Das aber wird von keinem bezweifelt״ daß es darauf ankommt, den Kindern einen sittlichen Halt zu geben, und daß dieser nicht durch den Schreib־ und Lese- und Rechenunterricht gewonnen wird1). Viel mehr noch für das jüdische Kind des Ostens! Hier erfordert die Übung der Religion eine solche Fülle von Einzelerkenntnissen, es ist so sehr religiöse Pflicht, die Gebote kennen zu lernen, damit man sie zu befolgen vermag, daß hier der größte Teil der zur Verfügung stehenden Lernstunden diesem Unterricht eingeräumt werden muß. Das ist der Kernpunkt der ganzen Frage, das alles beherrschende Prinzip, vor dem alles andere zurücktreten muß. Will man der Masse der Juden die rechte Bildung geben, die Herzensbildung, vor der ja alles andere verschwindet, so muß an die Form angeknüpft werden, in der sie ihnen bisher zugänglich gemacht wurde, und das ist der Unterricht in Che der. Ob die Unterrichtssprache jiddisch, hebräisch oder deutsch sein soll, das ist für diejenigen, welche die Erziehung der ostjüdischen Jugend in dem Sinne geleitet wissen wollen, daß sie für die ihnen am Herzen liegenden parteipolitischen Ideale vorbereitet werden, vielleicht von Bedeutung. Für den wahren Endzweck der Erziehung, aus den Kindern sittlich hochstehende Menschen zu machen, ist das nicht von Bedeutung. Dem gesetzestreuen Juden ist das Hebräische als die Sprache der heiligen Bücher als eine Sprache, durch die er sich mit vielen Juden aller Länder verständigen kann, natürlich ans l) Auch der Streit um das humanistische Gymnasium läuft ja letzten Endes darauf hinaus, ob wir die Jugend erziehen sollen für das Ideal oder für das Leben. Und der Krieg hat vor allem uns Deutsche gelehrt, daß das Ideal in höherem Maße das Leben verbürgt, so daß viele Gegner des humanistischen Gymnasiums ihre Stellungnahme nur durch den Nachweis zu verteidigen wagen, daß die von ihnen befürworteten Gattungen der höheren Schulen in gleicher Weise wie das humanistische Gymnasium für das Ideal erziehen. Ausgezeichnetes hat dazu A. Trendelenbürg in den gesammelten Aufsätzen ״Hie Marmor bie Gips44 Berlin, Weidmannsehe Buchhandlung, gesagt.