Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1916)
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 79 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutschland und die Ostjudenfrage. 79 sprudeln, wenn er zu den zeitgenössisch Schilderen! des Ghettos greifen wollte, die selber echte Kinder des Ghettos sind, freilich nicht zu denen, die fremde Gedanken hinein tragen und revolutionieren wollen, sondern schildern, was ist, wie etwa Scholem A leie hum. Aber wie wir in unserem ersten Aufsatz nur Nicbtjuden zu Worte kommen ließen, so wollten wir auch hier mit der Darstellung unserer Kenntnis dieser Menschen zurücktreten und dem Mann die Schilderung überlassen, der ein entschiedener Gegner dieser Kultur ist und doch zu dem Ergebnis gelangt, daß die Ostjuden das zum mindestens relativ intellektuell und sittlich hochstehendste Element aller Völkerschaften ,.Halb-Asiens“ bilden. Wir wollten das Bildungsproblem erörtern und haben scheinbar einen sehr großen Umweg gemacht. Aber das war kein Umweg. Wir mußten die Natur und den Charakter der Masse dieser Völkerschaft schildern, und nur aus ihrem Verhältnis zur Religion ist sie zu begreifen. Was hier an ethisch Wertvollem und profanen Bildungselementen vorhanden ist, das ist aus der Kenntnis der religiösen Quellen und aus der Liebe zu dem Religionsgesetz geflossen. Halten wir das fest, dann ist über das Bildungsproblem im einzelnen wenig zu sagen. Wenn das Ziel unverrückbar feststeht, so wird der Weg dahin gefunden werden, mag es auch furchtbar mühselig sein, die Hindernisse wegzuräumen und den Weg überall leicht gangbar zu gestalten. Die Erziehung muß, mögen auch neue Bildungselemente eingefügt werden, auf den religiösen Quellen aufbauen. Und das in einem weit, weit höherem Maße, als das etwa von der deutschen Volksschule gilt. Auch hier steht ja der Religionsunterricht im Zentrum 1)ד aller Streit dreht sich nur darum, ob die Art 1 j Ygl. Herbart: Umriß pädagogischer Vorlesungen III. Teil, Kap 2. Anm. 2: ״Als der Endpunkt der Welt, als der Gipfel aller Erhabenheit muß die Idee von Gott schon in früher Kindheit hervorschimmern, sobald das Gemüt anfängt, einen Überblick zu wagen über sein Wissen und Denken, Fürchten und Hoffen, sobald es über die Grenzen seines Horizontes hinaus zu schauen versucht״.