Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1916)
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 78 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Deutschland und die Ostjudenfrage. art des alten Judentums, das Volk der Religion zu sein, in aller Ursprünglichkeit erhalten. Daß das Judentum aus seinem Schoße die Weltreligion hat hervorgehen lassen, daß es dies nur vermochte, weil ihm die Religion sein Ein und Alles war. wird keiner bestreiten. Wer das Ostjudentum wirklich kennt, muß ebenso zugeben, daß es keine Völkerschaft gibt, die für die Erstarkung des religiösen Besitzes der Menschheit so viel beitragen könnte wie die Ostjuden. Wir sehen hier völlig ab von dem Inhalt der Religionsanschauungen und -Übungen. Angenommen — selbstverständlich nicht zugegeben — daß der Inhalt ein unzureichender ist: das formale Element, das in einer — in dieser Stärke nirgends vorhandenen — Hingäbe einer ganzen Volksmasse an eine Idee liegt־, macht die Ostjuden zu einem außerordentlich wertvollen Bestandteil der Völkerfamilie. Diese Hingabe ist eine habituell gewordene, sie gehört zum Wesen dieses Volkscharakters, sie ist in ihrem Grundzug eine vernunftgemäße, denn sie orientiert sich an einer mehrtausendjährigen Literatur, in der neben den Gesetzgebern und Propheten auch Philosophen eine beherrschende Rolle gespielt. Sie kann nach der einen oder anderen Seite hin über das zulässige Maß hinausgehen, aber — um nur eins zu erwähnen — schon der Gegensatz zwischen Chassidim und Misnagdim sorgt für den rechten Ausgleich. Durch den unendlichen Druck werden die Ostjuden daran gehindert, diese ihre Eigenart zu entfalten und ihren Beitrag zur Kultur der Menschheit in entsprechender Weise zu spenden. Wenn dieser Druck von ihnen genommen wird, und wenn sie nicht durch eine ״Zivilisierung44 nach falschem Muster zu dem unsvmpathisehen und menschheitsschädlichen Typ gewisser Juden des Kur־ fürstendamms umgewandelt werden, so ist noch gar nicht abzusehen, wieviel sie der Gesamtmenschheit werden können. II. Der gesinnungsverwandte Leser wird verstehen, wie zuwider uns der Umweg über Karl Emil Franzos war. Wie anders würde dem, der den guten Willen mitbringt und die Mühe nicht scheuen will, sich ernstlich zu unterrichten, die Quelle