Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1916-02-01 · Heft 2 (Februar 1916) · p. Seite 69

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 2 (Februar 1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2292955-2292958--01196-2294447
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Deutschland und die Ostjudenfrage. 69 heißt es noch mehrmals: ihn trieb der Ehrgeiz, ein Viehstück zu schlagen . . . Sender führte den Todesstoß . . . der Stoß ging fehl 1). Daß so die Werke von Franzos nicht die rechte Quelle für die religiösen Grundanschauungen und religionsgesetzliehen Übungen des Ostjudentums sind, ist klar. Das wird noch Gegenstand weiterer Erörterung sein. Uns kam es zunächst nur darauf an. zu zeigen, daß Franzos kein Stockjude ist, daß er dem Ostjudentum ebenso unbefangen gegeniibersteht wie nur irgendein Nichtjude, der den guten Willen mitbringt, diesen Menschen, was ihren Charakter uad ihre Fähigkeiten betrifft, ebenso gerecht zu werden wie den Völkerbestandteilen ihrer Umgebung. Und was weiß Franzos uns zu sagen? Es klingt ja sehr seltsam, daß ich Franzos hier ins Gefecht führe, der auch die Ostjuden als Halbasiaten schildert, der eigentlich in fast allen Skizzen und Erzählungen von dem religiösen Fanatismus dieser Menschen und den unseligen Folgen dieses Fanatismus zu erzählen weiß. Aber das gilt nur für den oberflächlichen Leser. Für den Kenner dieser Schriften, der sich in die geschilderten Charaktere vertieft, der hinter der Schale nach dem Kern sucht, ist Franzos zum Verherrlicher dieser Menschengattung geworden. Da tritt uns viel Lumpengesindel entgegen, denn Franzos will bessern und hebt die Untugenden hervor, da wird viel gewuchert und betrogen und bestochen. Aber nicht mehr als in den anderen interessanten Völker- *) Daß er einzelne Brauche kennt und richtig schildert, kann nicht wundernehmen. Nur darf man sich nicht durch die Gelehrsamkeit, die er z. B. bei der Schilderung des jüdischen Scheidebriefes in der Skizze ,.Nathan der Blaubart“ (Halb-Asien V: ״ Aus der großen Ebene44 Band I, 2. Aufl. S. 171—175) entwickelt, verblüffen lassen. Das ist übrigens meines Wissens die einzige Stelle, wo er einen religionsgesetzlichen Akt eingehend beschreibt. Das ist Scheingelehrsamkeit schlimmster Sorte. Am Schluß einer — wie aus den ganz detaillierten Angaben hervorgeht — nur einem Kenner des Schulchan-Aruch möglichen und darum sicher abgeschriebenen Schilderung findet sich übrigens ein grober Fehler.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.