Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Jeschiwoth in Rußland. 59 zur Geltung kamen. — so lange beruhte auch das Talmud- Studium noch in viel höherem Maße auf einer durchaus realen, praktischen Grundlage. Allein nach dem Niedergang der Gemeinden und der Aufhebung ihrer autonomen Verwaltungsrechte mußte eben die Talmudforschung zu einem großen Teil ihren praktischen Charakter verlieren und zur rein theoretischen Geistesübung für diejenigen werden, die ihr in Befolgung des göttlichen Gebotes oder aus reiner Thoraliebe oblagen. Unter solchen Umstanden war es natürlich, daß die alte verbreitete Thorapiiege in den breitesten Volkskreisen mehr und mehr dahinschwand, so daß den Führern in Israel immer beängstigender die Sorge, daß die Thora in Vergessenheit gerate, sich aufdrängen mußte. Daraus erwuchs der Entschluß, zu retten, was noch zu retten ist. Konnte auch jede Kehilla für sich keine Jeschiwa halten, so lag es doch nahe, daß durch den Zusammenschluß und das Zusammenwirken einer großen Anzahl von Gemeinden der Bestand einer großen Thoraanstalt gesichert werden könnte. Aus dieser Erwägung heraus wurde im Jahre 1803 die Je s c h i w a zu W 0 i 0 s c 11 i 11 durch Rabbi CLajim ins Leben gerufen. War nun bisher jeder Rabbiner zugleich Haupt der lokalen Jeschi׳wa an st alt und durfte als solcher den Titel אב״ד די־״מכ,׳“ führen, — so war es jetzt, da die Jeschiwa einen ausgedehnten Umkreis als Wirkungsgebiet gewonnen hatte, unerläßlich geworden, daß ihr als Haupt eine allgemein anerkannte rabbinischo Autorität vorstehe. Diese Eigenschaft kamRabbi Chajim, dem großen Jünger des Wilna er Gaon, wie keinem anderen seiner Zeitgenossen zu, und so fiel die Wahl auf ihn. (Fortsetzung folgt).