Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Siddur im Lichte der jüdischen Geschichte. 51 Erinnerung auf. in dem אני מאמין. den 18 Glaubensgrundsätzen, die. wenn auch nicht dem Wortlaut nach von ihm stammend, doch nach seinen Darlegungen in der Einleitung zum פרק הלק bearbeitet sind. Und noch eine Glanzeshöhe aus noch früherer Zeit läßt der Siddur vor uns lebendig werden. Im siebenten Jahrhundert erfreuten sich die Juden in Babylonien nach Jem Siege der Mohammedaner einer Art Selbständigkeit. An ihrer Spitze stand der ריש גלות א. der Exilarch ,.Das Haupt der in der Verbannung lebenden Juden״. Er genoß fürstliches Ansehen, das durch seine Abstammung von David noch erhöht wurde, fuhr, von fürstlichem Prunk umgeben, in einem goldenen Staatswagen aus. dem eine Ehrengarde von 50 Läufern voransprengte. In seine Würde wurde er mit großem Prunke eingesetzt; in der Synagoge wurde ihm gehuldigt, indem die Gaonenvon Sura undPumpadita unter Trompetensehall ausriefen: ,.Es lebe unser Herr, der Purst, das Oberhaupt der im Exil wohnenden Juden“. Allsabbatlich wurde ein besonderer Segen auf ihn herabgefleht, beginnend mit den Worten לקרם 5ךקן. Dieses Gebet sprechen wir in wehmütiger Erinnerung an unsere große Vergangenheit noch heute, obwohl längst jener Glanz dahingeschwunden. Und mit vollem Recht! Ein Vergleich mag dies illustrieren. Bekanntlich erfolgt in England die Parlamentseröffnung unter denselben alt-ehrwürdigen Formen, denselben feierlichen Zeremonien wie seit Jahrhunöerten. LT11d dennoch erscheinen die Formeln des dreizehnten Jahrhunderts noch im zwanzigsten auch dem aufgeklärtesten und modernsten Briten nicht als tote Masken, als versteinerte Altertümer, sondern als lebendige Gegenwart, weil er in ihnen auf das Anschaulichste die stolze Tatsache verkörpert sieht, daß seine Nation zu einer Zeit, da die Völker Europas von Selbstbestimmung kaum zu träumen wagten, bereits eine freiheitliche Verfassung ihr eigen nennen durften. Und nun Israel! Wir sind gewiß nicht ein Volk von heute und gestern, wir sind ״das Volk der Ewigkeit“. Daß unsere Gebete mit allen Fasern anknüpfen an die Überlieferungen der Vorzeit, daß sie fest wurzeln im Erdreich der Vergangenheit, 4*