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Jeschurun · 1916-01-01 · Heft 1 (Januar 1916) · p. Seite 49

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 1 (Januar 1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 49 (sequence 49)
Language
German
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Der Siädur im Spiegel der jüdischen Geschichte, 49 und sein Nachfolger verfolgte sie anf das Grausamste. In ihrer Not setzten sie Fasttage ein, und drei von den Männern aus Jerusalem verfaßten Bittgebete für diese Tage. Da erbarmte sich Gott ihrer und erhörte ihre Gebete. Durch den Tod des Tyrannen wurden sie von ihren Leiden befreit. Darauf sandten sie Berichte über ihre wunderbare Rettung an alle Juden, fügten die von ihnen verfaßten Gebete bei, und ordneten an, daß diese am Montag und Donnerstag in allen Gemeinden Israels gebetet werden sollten. Allein nicht nur Tod und Verderben spiegeln unsere Gebete wieder, sondern oft auch kleinliche Beschränkungen aller Art, die Enge des Ghetto wie die Despotie kleiner und großer Tyrannen. So gab es Zeiten, in denen es den Juden verboten war. in den Städten Synagogen zu bauen; auf freiem Felde mußten sie ihren Gottesdienst abhalten, oft in Gefahr, von rohen Menschen gestört oder gar von Räubern überfallen zu werden. Es war daher für die Zuspätkommenden, zumal des Abends, nicht unbedenklich, allein zurückzubleiben, umdieversäumten Gebete vollständig nachzuholen. Für diese wurde deshalb im Abendgebet der Wochentage das Gebet יברוך ה' לעולם אמן ואמן ein Art verkürzter שמנה עשרה verfaßt, in dem der Gottesnamen 19 mal vorkommt, entsprechend den ברכות der שמנה עשרה, und im Freitag-Abendgebet מבן אביה, ein kurzer Abriß der Tephilla. Die gläubige Zuversicht unserer Väter äußerte sich darin, daß מגן אביה nicht gebetet wird, wenn der erste Pessaeh-Abend auf Freitag Abend fällt, da wir uns in dieser ליל שמירים unter der besonderen Obhut Gottes wissen. In unserem Siddur steht ein Gebet, oder richtiger ein Kapitel der Thora, das wir nicht mehr sprechen, das aber früher, zur Zeit, als noch der heilige Tempel stand, zu den täglichen Gebeten gehörte, die עשרת הדברות, die zehn Bundesworte. Diese im Siddur enthaltenen aber nicht mehr rezitierten heiligen Worte erwecken in unserem Geiste die Erinnerung an einen der bedeutsamsten Abschnitte in der Geschichte der Menschheit, an die Zeit, als sich aus dem Schoße des Judentums eine neue Religion losrang, die, — obzwar das Kind — 4

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