Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Siddur im Spiegel der jüdischen Geschichte. 47 dos Chanuckahfestes, die Erinnerung an die syrische Religion s- Verfolgung und an die Siege der Makkabäer wieder aufleben lassen. Es gibt aber eine gottesdienstliche Einrichtung, die uns nicht nur einmal im Jahre, sondern allsabbatlich an diese Zeit der Bedrückung erinnert, die Haftara. sie ist wahrseheinlich in jener Zeit entstanden, da der grausame Tyrann bei Todesstrafe die Thoravorlesung verbot, und die Weisen, um wenigstens einen kleinen Ersatz zu schaffen, Prophetenabschnitte auswählten und sie zur Vorlesung bestimmten, die eine Ähnlichkeit oder Beziehung zu den Wochenabschnitten hatten, und die wir noch jetzt als Haftara vortragen. In eine noch frühere Zeit des Druckes führt uns die der ursprünglich aus achtzehn Segenssprüchen bestehenden תפלה oder שמנה ״ע שכה eingefügte neunzehnte ברכה mit den Worten ולמלשינים beginnend. Es war die Zeit der hadrianisehen Verfolgung, in der die Ausübung der Thoragesetze mit dem Tode bedroht wurde und in der jüdische Denunzianten ihre Brüder dem römischen Henker in die Arme lieferten. In ihrer Machtlosigkeit, da jedes andere Mittel ihnen versagt war, entrangen sich den Lippen der Geknechteten Worte der Verwünschung gegen die מלשינים, gegen die Verleumder aus der eigenen Mitte, in der Hoffnung, daß, wer auch nur einen Funken jüdischen Gefühls in der Brust trage, vor dieser schändlichen Heimtücke zurückschrecken werde, zurückschaudernd vor dem Gedanken im täglichen Gebet der allgemeinen Verachtung und der rächenden Macht Gottes preisgegeben zu werden. Und selbst, wenn wir beim frohen Mahle sitzen, wenn wir Gott preisen für Speise und Trank, im Tischgebet, steigen diese düsteren Zeiten vor uns auf. Ursprünglich schloß nämlich das Tischgebet mit (לכהה בוץתמיו ירושלים א כ worauf schon die Schlußformel אמן hinweist. Das darauf folgende Gebet ברכת הטוב והמיטיב wurde von unseren Weisen in Babel als Anhang zum Tischgebet eingeführt, als in dem blutig niedergeschlagenen Bar-Kochba-Aufstand über ein halbe Million Juden gefallen waren und der grausame Kaiser Hadrian die Bestattung der Leichen nicht gestatten wollte. Da starb