Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Der Siddur im Spiegel der jüdischen Geschichte. terischer Seele wir auch den יהי רצון der ״Neumondsweihe״ und die erhabenen, an Höhe der Gesinnung und Schwung der Sprache unübertroffenen Gebete für יראש השנה die מלכיית זכרונות ושופרות verdanken, ist sein Verfasser. Ursprünglich zur Einleitung der מלביות bestimmt, wurde es wegen des Ausblicks auf die messianische Zeit, mit dem man durch diese Zukunftshoffnung neu gestärkt, das Gotteshaus verlassen wollte, an den Schluß der täglichen Gebete gesetzt. Seine Entstehung in einem Lande, das unter der Herrschaft eines Königs der ״Könige“, eines Großkönigs, stand, verrät der Ausdruck: לפני מלך _מלכי המלכים. Aber auch dieses wunderbare und ergreifende Gebet ist der Verleumdung nicht entgangen. In ihm befand sich ursprünglich hinter den Worten: שלא שם הל קני כמם וגורלנו ככל ממינם als Fortsetzung der Satz: שהם מ'שתלזךם לרזבל דיךיק ו-מהפללים אל אל לא יושיע denn sie werfen sich nieder vor Nichtigem und Eitlem und beten zu einem Gott, der nicht helfen kann. Da trat im 16. .Jahrhundert ein getaufter Jude mit der Behauptung auf, daß hier die Juden den christlichen Heiland lästern. Und die Begründung? וריק habe denselben Zahlenwert (316) wie ישו. Vergebens wies man darauf hin, daß, da es in Babylon zur Zeit der Entstehung des Gebetes keine Christen gab, der Verfasser unmöglich an sie gedacht haben könne, — die unsinnige Anklage wurde immer wieder erneuert, am heftigsten von dem Professor Eisenmenger in Heidelberg in seinem: ״Das entdeckte Judentum״, das noch heute die unreine Quelle für alle Judenhasser ist. In Friedrich I., König von Preußen, fand er einen mächtigen Beschützer und erreichte den Erlaß eines Ediktes, עלינו sei Satz für Satz laut vom Vorbeter vorzutragen und die beanstandete Stelle auszulassen. Ja es wurden sogar Beamte zur Überwachung in die Synagogen geschickt. So tilgte man, obwohl nun eine Lücke und ein logischer Sprung in dem Gebete entstand, diese Worte, und noch heute wird in Berlin, der Residenz des Preußenkönigs, in der ״Alten Synagoge“ עלינו Wort für Wort vom Vorbeter rezitiert. — Wir haben in den vergangenen Wochen, durch die Feier