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Jeschurun · 1916-01-01 · Heft 1 (Januar 1916) · p. Seite 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 1 (Januar 1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 45 (sequence 45)
Language
German
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Der Siddur im Spiegel der jüdischen Geschichte. Wenn es wahr ist. daß Leiden und Dulden als Charakteristik sches Denkmal der jüdischen Geschichte erscheint, daß diese die größte Tragödie der Weltliteratur ist. dann wird sich das leidvolle Schicksal des jüdischen Volkes auch in seinen Gebeten wiederspiegeln. Von diesem Gesichtspunkte aus well cm wir einen Gang durch den Siddur antreten und versuchen, die Spuren aufzudecken, die die Wanderung durch das Goluß in ihm!unterlassen hat. Wenn wir die ersten Blätter des Gebetbuches aufschlagen. linden wir unter den ברכות השחר, den einleitenden Loh- Sprüchen des Morgengebetes den Anfang von שמע. Wie kommt dieser hierher? Es gab Zeiten, in denen die Umwelt besonders gegen das jüdische Einheitsbekenntuis sich wandte, weil man in ihm einen vorwurfsvollen Protest gegen die Trübung des Gottesgedankens in nichtjüdischen Kreisen erblickte. Da durfte man nur im geheimen (daher die Einleitungsformel: לעולם יהא אדים :יךא שכרם בסהר (Stets sei der Mensch gottesliirchtig auch im Verborgenen), und auch nur an versteckten Stellen des Gebetes, an denen niemand es vermutete, שמע rezitieren, und 31 at es daher in die Anfänge des Morgengebetes zurückversetzt. Noch in ein anderes Gebet, in die Mussaph-Keduscha, finden wir Anfang und Schluß von שמע verwebt. Eine traurige Zeit steigt da in unserer Erinnerung auf. Im 5. Jahrhundert entstand im persischen ]deiche unter König Jezdigerd III. und seinem Sohn Firuz eine Judenverfolgung. Die durch ihren Fanatismus berüchtigten Priester, die Magier, wollten eine gewaltsame Bekehrung der Juden erzwingen, und als diese mißlang, setzten sie unter anderem das völlige Verbot von קריאת שמע durch. Der Gottesdienst in den Synagogen wurde bis zum Ende des Morgengebets überwacht, und so sah man sich genötigt, mit Beginn und Ende des שמע sich in die Mussaph-Kedusehah zu flüchten. Ebenfalls zur Zeit der persischen Oberhoheit über Babel ist in diesem Lande ein Gebet entstanden, das Ursache mannigfachster Verfolgungen und Schikanen wurde: עלינו לשבה. Kein Geringerer als ßaw. dessen tief empfindender dich-

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