Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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44 Der Siddur im Spiegel der jüdischen Geschichte. בני?שלאל. Der Mittelpunkt bleibt immer derselbe, nur die Kreise erweitern sich mit dem zunehmenden Alter. Das sind die konzentrischen Kreise in der jüdischen Methodik. Diese Methode nenne ich ',רוץ־ ד, einen Weg. der zu Gott führt. Diesen Weg hat Gott von Abraham und seinem Hause nach ihm erwartet nach dem Thoraworte: denn ich habe ihn dahin erkannt, daß er seinen Kindern und seinem Hause nach ihm gebieten wird, daß sie beobachten den Weg des Ewigen, zu üben Billigkeit und Hecht (Liebe und Gerechtigkeit): 1. M. 18, 19. Hiermit bin ich am Schlüsse zu der Quelle vorgedrungen, aus der ich von vornherein das Ziel der Erziehung in Israel geschöpft habe: die Verpflichtung des Vaters, dafür zu sorgen, daß seine Kinder den Weg des Ewigen beobachten, daß sie Liebe und Gerechtigkeit üben. In der Theorie stimmt das Erziehungsziel in Israel mit dem Ziel der Pädagogik überein. Der sittliche Charakter soll unverwandt den Idealen der Wahrheit und Gerechtigkeit nach- .streben. In seiner Wahrhaftigkeit und Gewissenhaftigkeit soll er sich nur zu Taten der Liebe und Gerechtigkeit entschließen. Kun — der Weg Gottes, die Thora, ist der Weg der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Liebe, das Wegziel aber ist die Heiligkeit und Vollkommenheit. Der Siddur im Spiegel der jüdischen Geschichte. Von Dr. J. Bleichrode-Berlin. Unser Siddur ist ein Volksbuch, ein nationales Werk, das ■nicht ein einzelner, das unser ganzes Volk in jahrhundertelanger Arbeit geschaffen hat; und insofern er ein Produkt der Volksseele ist, muß sich in ihm die Geschichte des Volkes ausprägen.