Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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36 Mittel. Zweck und Ziel der Erziehung in Israel. Mittel, Zweck und Ziel der Erziehung in Israel. Eine jüdisch-pädagogische Skizze. Von H Ileuß, Hauptlehrer a. D. in Berlin. I. Die Pädagogik behandelt die Fragen: Ist es möglich, ist es notwendige Menschen za erziehen? Was ist Zweck und Ziel der Erziehung? Die Pädagogik bejaht sich selbst, wenn sie feststellt: Erziehung ist möglich und notwendig. Für das Volk Israel waren Möglichkeit und Notwendigkeit der Erziehung niemals Probleme. Die Möglichkeit, aut den geistig-irdischen Menschen planmäßig geistig einzuwirken, ist eine Folge seiner geistigen Natur (,,im Ebenbilde Gottes schuf er ihn“ 1. M. 1. 27) und seiner Fähigkeit-, zwischen gut und böse. Segen und Fluch, Leben und Tod zu wählen •(,.und du sollst das Lehen wählen, damit du lebest, du und deine Nachkommenschaft“ 5. M. 30, 19). Die Notwendigkeit, seinem Geiste solchen Inhalt und seinem Willen solche Form zu geben, daß er eben das Gute, den Segen und das Leben im Gegensatz zu dem Bösen, dem Fluche und dem Tode erkenne und wähle, ist das unentbehrliche Korrektiv seines Dualismus und des von ihm beeinflußten Willens (,.denn das begehrende Bilden des menschlichen Herzens ist böse von Jugend an“ 1. M. 8. 21 g Daß Erziehung möglich und notwendig ist. beweist die Geschichte des Volkes Israel und der Juden im Gegensatz zu der der heidnischen Barbaren und Kulturvölker. Sie ist nichts anderes als die Geschichte der Erziehung eines ganzen Volkes und die Thora — sie ist die göttliche Erziehungslehre, deren Erfolge die Kulturgeschichte nicht bestreiten kann und der die ganze Menschheit, die auch jetzt gerade in ihren Bildungs- Zentren Zeichen einer Dekadenz erkennen läßt, noch einmal ihre Gesundung verdanken wird. Die Thora (die Bibel) ist trotzdem kein systematisches Lehrbuch der Erziehung, sie enthält keinerlei Begriffsbestimmungen, keinerlei Beschreibung der Erscheinungen des Seelenlebens.- Aber sie stellt Postulate der höchsten Ethik