Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2292955-2292957--01160-2294410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
34 Probleme der Pentateuehexegese. Zeit der Befreiung das Herz derselben Ägypter in Liebe und Freigebigkeit seinem Volke zugewandt*). Ein hoci)angesehener, durch Alter und Gelehrsamkeit, ehrwürdiger christlicher Theologie schreibt mir: Speziell wünschteich. daß Sie die sögenannten Rachepsalmen, die sogar dem ehrwürdigen Delitzsch ein wenig Schwierigkeit machten, gegen die Angriffe in Schutz nähmen. Kittel hat, wgvod natürlich das Leipziger Gericht sich nichts träumen ließ, dem guten Delitzsch in die Schuhe geschoben, daß er die Kackepsalmen energisch verurteile. Das ist durchaus unrichtig. Man lese in seinem Psalmenkommentar nach. Ich glaube, daß ein Unterschied zu machen ist zwischen Rachenehmen und Racheanwünschen. Jenes ist im Alten wie im Neuen Testament ,verboten. Vgl. Lev. 19,18. Dagegen das Racheanwünschen d. h. der Wunsch, daß Gott der Herr das Unrecht durch Bestrafung rächt, nicht nur im Alten, sondern auch im Neuen Testament autorisiert Vgl. 1. Kor. 5, 15: ״Ich habe beschlossen, den, der solches {näml. Blutschände) in Korinth getan hat, zu übergeben dem Satan zum Verderben des Fleisches (d. h. damit derselbe ihn mit }eiblicher Krankheit schlage, die zum Tode führte), auf daß der Geist gerettet werde am Tage des Herrn‘‘. Und ebenso schreibt Paulus 1. Tim. 1, 20: ״Etliche, die am Glauben Schiffbruch gelitten haben, unter denen ist Hymenäus und Alexander, die ich dem Satan übergeben habe, daß sie gezüchtigt werden, nicht mehr zu lästern.“ Und in der Apokalypse hört der Seher (Kap. 6, 10) die Seelen derer, die hingeschlachtet waren um des Wortes Gottes willen und um des Zeugnisses willen, laut rufen: »Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, richtest du nicht und rächst du nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?“ — Und wem ich an den gegenwärtigen Krieg denke, so sehne ich mich (vielleicht auch Herr Kittel), daß der Satan (an den glaubt natürlich kein moderner Professor) alle Urheber des Krieges inkl. den christlichen Herrn Wilson, so treffe, daß sie vernichtet sind. Und ich habe mich gefreut, daß die Bulgaren den serbischen Major, der hauptsächlich den österr. Königsmord angestiftet hat, gefangen haben und wünsche herzlich, daß derselbe eines ehrlosen Todes an einem österr. Galgen stirbt. *) Kittel (1. c S. 53 f.) sagt: ״Aber daß die Ägypter, wenn sie wußten, daß die Bittenden nicht wieder zurückkehrten, von sich aus geneigt waren, die kostbaren Dinge herzugeben, also die Israeliten freiwillig beschenkten (etwa um ihrer los zu werden), ist mindestens im Text nicht angedeutet, wenn es auch an sich möglich wäre.“ — Allein die Schrift führt ausdrücklich die von den Ägyptern den Israeliten gegenüber bezeugte Gunst und Freigebigkeit auf Gott zurück. Ist nun die Macht Gottes so beschränkt, daß er nicht die Israeliten bei den Ägyptern derart in Gunst setzen konnte, daß letztere ihre Schmucksachen