Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Probleme der Pentateuchexegese. 31 es vergöttert keinen Menschen. Es fuhrt uns überhaupt das Leben keines Menschen als Muster auf, daß wir aus seinem Beispiel lernen mögen, was recht und gut, was wir zu tun und zu lassen haben . . . Nirgends haben wir zu sagen: Dies muß doch recht sein, denn der und der hat doch so getan! Die Thora ist keine ..Beispielsammlung des Guten“; sie erzählt das, was geschehen ist, nicht weil es mustergiltig ist, sondern weil es geschehen ist1). Die Thora verschweigt uns die Fehler, die Verirrungen und Schwächen unserer großen Männer nicht und drückt eben damit ihren Er- Zahlungen den Stempel der Wahrhaftigkeit auf . . . Von unseren großen Thoralehrern wollen wir lernen, wie es nimmer unsere Aufgabe sein darf, als Apologeten der geistigen und sittlichen Heroen unserer Vergangenheit aufzutreten. Wahrheit ist das Siegel unseres Gotteswortes, und Wahrhaftigkeit ist der Grundzug aller seiner wahren und großen Lehrer“. — So Rabbiner Hirsch, sei. And. — Nach alledem bin ich der Mühe enthoben darzulegen, wie manche Kommentare die anstößigen Handlungen unserer Großen verteidigen. Es bliebe nur die eine Stelle zu erklären, wo erzählt wird, daß Gott selbst, wie es einer oberflächlichen Betrachtung erscheint, den Israeliten eine Unehrlichkeit gebot; das ist die Stelle Exod. 12, 1—2 und die Ausführung des Befehls in Exod. 12, 35—362).— Allein schon eine richtige Übersetzung beseitigt alles Anstößige. Die Stellen lauten nach der richtigen Erklärung des jüdischen Exegeten Rabbi Samuel ben Meir (Raschbam) wie ג) Die rohen Angriffe, die gegen die Thora gerichtet werden, gehen von der Ansicht aus, daß alle Handlungen der Träger der Offenbarung, welche die Thora berichtet und nicht ausdrücklich mißbilligt, von ihr gebilligt werden. Allein daß diese Ansicht eine irrige ist und daß der Zweck der Thora nicht ist. Israel und seine Vorfahren zu verherrlichen, sondern einzig und allein die Verherrlichung Gottes, ist von Hengstenberg (Beiträge 3 S. 531 ff.) klar gezeigt worden. 2} Die zahlreichen Rechtfertigungen dieser Stellen von Seiten der christlichen Exegeten findet man im Kommentar Dillmanns zur Stelle und in den dort angeführten Werken und Abhandlungen.