Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Probleme der Pentateuchexegese. 2 0 des A.-T. ist aus Quellen zu eruieren, die so rein und so reiehlieh fließen, daß sie auch bei allen christlichen Theologen Anerkennung gefunden hat. wenn sie auch von diesen nur als Vorbereitung für das Christentum betrachtet wird1). Wir hätten also nur die Frage zu beantworten, wie sich das orthodoxe Judentum, das kein ״Titelehen“ der heiligen Schrift fallen läßt, dem die ganze Bibel als Gotteswort gilt, ..zu den Erzählungen stellt, in welchen Gott Handlungen und Aussprüche zugeschrieben werden, die nach heutiger Anschauung nicht gebilligt werden können.“ Zuerst muß bemerkt werden, daß in dem Sinne, wie die entsprechenden Handlungen und Aussprüche von dem antiorthodoxen Standpunkte aus aufgefaßt und ausgelegt werden, dieselben nicht erst ,,nach heutiger Anschauung“, sondern zu keiner Zeit vom orthodoxen Judentum gebilligt wurden. Vielmehr wurden diese Stellen der Bibel von den jüdischen Auslegern, ja auch von den Kirchenvätern und von den christlichen schriftgläubigen Auslegern2) so aufgefaßt, daß jeder Anstoß dabei gehoben worden ist. — Ferner ist zu bemerken, daß auch die streng orthodoxe Richtung im Judentum freie Kritik zuläßt, insofern es sich um in der Bibel berichtete Handlungen von Menschen handelt, und seien es auch die heiligsten Männer, keiner ist unfehlbar, jeder kann sich versündigt haben, wenn auch die Tat in der Schrift objektiv ohne Rüge berichtet wird. Als Beweis für diese Anschauung des streng orthodoxen Judentums sei bloß folgendes angeführt: Im Midrasch rabba zur Genesis e 67 heißt es: Es sagt R. Chanina: Wer da sagt: nicht vor der wohlverdienten Rache Esaus. solidem wird von Isaak iri aller Ruhe nach Mesopotamien entsandt (1. Mos. 28,1 ff.). Der Betrug Jakobs wird also nicht vorausgesetzt (Kap. 27), daher auch die Brüder nach Jakobs Rückkehr friedlich beisammen wohnen und sich nur wegen der Größe ihres Viehstandes freundschaftlich trennen (36,6 ff.). *) Eine Beurteilung dieser Ansicht vgl. in der trefflichen Schrift: ״Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie^ toxi Rabbiner Dr. Joseph Eschelbacher. Leipzig 1907. 2) Z. B. Hengstenberg, Kurtz, Keil, Franz Delitzsch, Strack und auch Kritiker, wie Dillmann u. a.