Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Probleme der Pentateuchexegese. 25 Wer also im Alten Testamente eine den obigen moralischen Grund s'atzen entgegen stehende Anschauung findet, ist in gewaltigem Irrtum. Die heilige Schrift hat keine doppelte Moral,*) und was im Gesetze streng verpönt wird, kann nicht durch Deduktionen aus Geschichtserzählungen für erlaubt erklärt werden. Würde dies angehen. so könnte man aus der Geschichte von David und!Trias deduzieren, daß das Alte Testament Ehebruch und Mord erlaubt, was doch höchst ab־ surd wäre. Und doch gilt David auch dem Christentum als heilige Person (vgl. Matth. 1,1 ff.). Dies beweist, daß dem Alten Testament nicht die Taten der Menschen, und seien es auch die heiligsten, sondern die Vorschriften des Gesetzes als Norm und Richtschnur gelten. Indessen darf auch die kritische Auslegung des A.-T., die ja auch unter den jüdischen Gelehrten viele Anhänger zählt, hier nicht unberücksichtigt bleiben. Kann vielleicht behauptet werden, daß nach diesen Exegeten die jüdische Religion eine doppelte Moral enthält? *) Kittel (1. e) zitiert S. 59 meine Worte vom Anfang dieses Ab-' satzes bis hierher, um dagegen Seite 61 folgende Polemik zu richten: ״Ich denke, Hofifmann hätte die Pflicht gehabt, sich über die Gottesvorstellung und die Moral der geschichtlichen und der weissagenden Prophetenbücher auszusprechen und zu ihr Stellung zu nehmen, statt die Frage mit ein paar allgemeinen Wendungen abzutun. Dann erst war er berechtigt darüber zu urteilen, ob die heilige Schrift, wie er sagt, eine ״doppelte Moral“ habe oder nicht. Tatsächlich hätte er dann gefunden, daß sie sowohl verschiedene Gottesals verschiedenartige Moralanschauungen in sich schließt, wie es bei einer Literatur, die sich auf Jahrhunderte verteilt, selbstverständlich ist.״ So weit Kittel. Wer hier in meinen Ausführungen einige Zeilen weiter liest, sieht sofort, daß diese Polemik ganz unberechtigt ist. leb hatte nur die Pflicht, die obige gerichtliche Frage zu beantworten: Wie stellt sich das heutige Judentum zu den Erzählungen des A. T, in welchen dem Herrn Handlungen und Aussprüche zugeschrieben werden, die nach den heutigen Anschauungen vom moralischen Standpunkte nicht gebilligt werden. Ich habe nun hier ausgeführt, daß die Handlungen und Aussprüche von Menschen, und seien es auch die heiligsten, nicht als Maßstab für den moralischen Standpunkt der H. Schrift gelten, die doch in ihren gesetzliehen Anforderungen einen andern moralischen Standpunkt vertritt, denn die Schrift kann keine ״doppelte Moral“ predigen. Hiermit wollte