Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Probleme der Pentateuchexegese. Das sind so einige Grundlehren, die der allerheiligste Name in seiner Thora seinem erstgeborenen Sohn Israel (Exod. 4, 22) kundgegeben, damit er sie unter seinen anderen Kindern, der ganzen Menschheit, verbreite und zur Anerkennung bringe. Daran läßt sich nicht drehen und deuteln; daran scheitern alle Entstellungskimste. Die Propheten, die Psalmisten und die Spruchdichter haben diese sittlichen Grundlehren in unzähligen Variationen wiederholt und eingeschärft, und auch der Stifter des Christentums hat gesprochen: ״Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Titel vom Gesetz, bis daß es alles geschehe. Wer nun eins von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehret die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehret, der wird groß sein im Himmelreich“ (Matth. 5, 17 — 19). bietet den Fremden za hassen, ist so entstellt wiedergegeben, wie ich dies von Prof. Kittel nicht erwartet hätte. Es wird dort bestimmt: ״Kein Ammoniter und Moabiter darf der Gemeinde JW’s angehören .... weil sie euch unterwegs, als ihr aus Ägypten wegzogt, nicht mit Brot und Wasser entgegengekommen sind und wider dich aus Pethor in Mesopotamien Bileam, den Sohn Beors, gedungen haben um dich zu verfluchen . . . Du sollst, solange du lebst, niemals auf ihr Wohlergehen und ihr Glück bedacht sein.״ (Deut. 23, 4—5; 7, nach Kautzsch’ Übersetzung). Wir überlassen es dem Urteile jedes unbefangenen Lesers zu entscheiden, ob Kittel berechtigt war, diese Bestimmungen, die sich gegen zwei lieblos und feindlich gegen Israel aufgetretene Völkerschaften richtet, so darzustellen, als ob die Thora Fremdenhaß im allgemeinen gebiete. Mit demselben Hechte oder vielmehr Unrechte könnte man heutzutage wegen des Hasses der Deutschen gegen die Engländer den Fremdenhaß als charakteristische Eigenschaft des deutschen Volkes bezeichnen. Dazu kommt noch, daß sowohl der Talmud als auch der Schulchan Aruch erklären, daß, nachdem Sanherib, der König von. Assyrien, die Ammoniter und Moabiter aus ihrem Lande vertrieben, jenedeuteronomischen Bestimmungen hinfällig geworden sind (Berachoth 28 a, Schulchan Aruch, Eben-Eser 4, 10), ein Beweis, daß kein Jude daran dachte, jene Bestimmungen auch gegen andere Völker auzuwenden.