Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Deutschland und die Ost^udenfrage. 17 quiekt erscheint1).“ In der Tat, nichts, was uns zu Gesicht gekommen, befriedigt. Da hat Prof. M. Kranz ein Buch geschrieben ..Neupolen“2), das in maßgebenden Kreisen Beachtung gefunden. Mit dem Rüstzeug der Geschichte und statistischem Material sucht er zu beweisen, daß die Polen jetzt für ein souveränes Neupolen reif geworden sind. Wir wollen ganz davon absehen. daß er die polnische Judenfrage mit dem brutalen Mittel der durch den politischen und wirtschaftlichen Zwang herbeigeführten völligen Auswanderung der Juden löst. Aber wie kindlich mutet uns der Vorschlag an, durch den er die Gefahr, die in der politischen Anziehungskraft eines souveränen Polens auf die Polen Deutschlands liegt, aus der Welt zu schaffen glaubt. WTir sollen alle Polen Deutschlands gegen die Deutschen in .Rußland austauschen! Da ist Leon Wasilewski „Die Judenfrage in Kongreß- Polen, ihre Schwierigkeiten und ihre Lösung“3). Er beweist uns vom polnischen Standpunkt, daß das Unglück und aller Streit von den bösen Litwaki herstamme — man meint wirklich, dieser Nationalpole gehörte zu den Chassidim — und diese Litwaki hätten die polnische Gesellschaft vor eine neue Form der Russifizierung gestellt. Er ist alles Ernstes der Meinung, der bloße Sturz der russischen Regierung werde die Beziehungen zwischen Polen und Juden auf eine gesunde Basis stellen. Andere wieder erwarten das Heil von der Assimilation der Juden und ihrem völligen Aufgehen in die polnische Bevölkerung. Daß die Polen so zu denken vorgeben — denn in Wahrheit wünschen sie nicht die Assimilation4) — ist verständlich. Sie 0 Berliner Tageblatt, 21. Dez. 1915. 2j J. F. Lehmanns Verlag, München 1915. s) Verlag von Löwit, Wien. 4) Starczewski „Die polnische Frage und Europa“ angeführt bei Kranz a. a. O. S. 83. 2