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Jeschurun · 1916-01-01 · Heft 1 (Januar 1916) · p. Seite 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 1 (Januar 1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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i6 Deutschland nnd die Ostjudenfrage. bereichern. Aber freilich, diese Entspannung der Ostjudenfrage mit Hilfe der Auswanderung eines Teiles der russischen Juden nach der Türkei kann nur eine geringfügige sein. Denn diese kann sich, schon weil die pekuniären Mittel für eine Translozierung und dauernde Ansiedelung von Hunderttausenden fehlen, nur in engen Grenzen bewegen. Für die Zurückbleibenden wird das erste Mittel gegen die Auswanderung in unserem Falle gegen eine unerwünschte starke Abwanderung nach Deutschland immer sein, ihre Lage politisch und wirtschaftlich erträglich zu gestalten. Das spricht sieh leicht hin, ist aber in der Ausführung sehr schwer. Aber in den Ostseeprovinzen, wo die Juden sozial und auch in westeuropäischer Kultur dem Durchschnittsdeutschen nicht so fern stehen, ist das nicht zu schwer. Nicht einmal in Litauen, wenn hier auch der Abstand bedeutend größer ist. Es will uns nicht einleucbten, daß einer weisen, von Liebe für die Gesamtbevölkerung getragenen Gesetzgebung, die entschlossen ist, alle Vorurteile abzulegen und aus jeder Bevölkerungsschicht das Beste herauszuholen, was sie bieten kann, — daß einer solchen Gesetzgebung es nicht gelingen sollte, den russischen Juden die Liebe zu ihrem Boden einzupflanzen, die an der Heimat mit dem Herzen hängt und sich nur in schwerer Bedrängnis von ihr loslöst. Ach. sie wurde ihnen bisher ja nur vergällt, sie blieb ja ihnen auch unter den Peitschenhieben der Peiniger eigen. Wieviel größer wäre sonst der Strom der Auswanderung gewesen! Aber die Juden in Kongreßpolen! So grundfalsch die Ausführungen in dem bekannten Artikel von Paul Harms „Las jüdisch-polnische. Problem” sind — wir kommen noch ausführlich auf sie zurück — so unbestreitbar wahr sind die Einleitungsworte: „Wer anfängt, sich-mit clor polnischen Frage zu beschäftigen, bekommt alsbald eine unbegrenzte Hochachtung vor diesem Problem; denn wo man es auch anpackt, türmen sich schier unüberwindlich die Schwierigkeiten. Und doch ist die polnische Frage noch von unschuldsvoller Einfachheit, solange sie nicht mit dem Problem des polnischen Judentums vor-

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