Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutschland und die Ostjudenfrage. 15 der logischen Konsequenz des Weltgeschehens heraus glauben wir annehmen zu dürfen, daß solche Zwangsmaßregeln nicht beabsichtigt sind. Ein jüdisch-russisches Ansiedlungsrayon unter deutscher Ägide — denn darauf läuft ja die Forderung von Georg Fritz1) und seiner Gesinnungsgenossen hinaus — nein, das wäre doch eine zu seltsame Ironie der Weltgeschichte! Wie im einzelnen die Mittel beschaffen sein müssen, um die Ostjuden an die Scholle zu fesseln, darüber hat sich die jüdische Öffentlichkeit schon mannigfach geäußert. Unsere Aufgabe wird es sein, das Bildungsproblem eingehend zu beleuchten, weil wir der Meinung sind, daß hierin der Angelpunkt der ganzen Frage liegt und die rechte Lösung des Bildungsproblems das Hauptmittel ist, die Ostjuden der alten Heimat zu erhalten. Vorher in Kürze eine Erörterung der Xebenpunkte. Zuerst : Alle Bestrebungen, einem Teil der Ostjuden eine neue Heimat in der Türkei, mag das nun in Palästina oder den angrenzenden Ländern sein, zu erschließen, sind natürlich aufs wärmste zu begrüßen. Das darf keine Parteifrage sein. Wir verstehen einfach Prof. Philippson nicht, wenn er in einem seiner Aufsätze über die Ostjudenfrage mit sichtlichem Beilagen konstatiert, daß die Türkei nur daran denke, einigen Tausenden ein Asyl zu gewähren. Wir glauben aus mindestens ebenso guter Quelle das Gegenteil versichern zu können. Die Türkei würde damit nur die große Tradition ihrer Vergangenheit aufnehmen, da sie den Juden nach ihrer Vertreibung aus Spanien eine Freistatt gewährte, und der Sultan das große und weise Wort sprach: Ihr nennt Ferdinand einen klugen König, der sich beraubt, um seinen Todfeind zu x) »Die Ostiudenfrage Zionismus und Grenzschluß“. J. F. Lehmanns \ erlag, München. Soll sich das Schauspiel immer wiederholen, daß gewisse jüdische Nationalisten, wenn Antisemiten wie Fritz und Sombart eine Verbeugung vor dem Zionismus machen, diesen zustimmen? Wie können sie sonst so tapfer schmälen, wenn unsere Assimilanten ihre Würde vergessen!