Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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*4 Deutschland und die Ostjudenfrage. Beweggründe zu unterlassen und uns allein auf den Nachweis zu beschränken, daß wir das ureigenste Interesse Deutschlands vertreten, wenn wir für die Erhaltung des überlieferten Judentums in den neuen Provinzen plädieren. Die russischen Juden müssen Juden, überzeugungstreue, überlieferungsgläubige Juden bleiben, das ist unser Wunsch, das muß aber auch Deutschlands Wunsch sein, denn nur so können sie Juden und in ihrer Heimat wurzeiständig bleiben und damit Deutschland am wenigsten „schaden" und ihm am meisten nützen. Wir sind natürlich unsererseits der Meinung, daß ein Zuwachs von osteuropäischen Juden bei alle n ihren Mängeln auch im alten Reichsgebiet diesem um keinen Deut schädlicher wäre als der irgend einer anderen nichtdeutschen Bevölkerung. Aber unsere Meinung ist hier sehr wenig von Belang. Die Gesinnung, welche dem fremdländischen nichtjüdischen Straßenkehrer die Einbürgerung zubilligte und sie dem jüdischen angesehenen Akademiker versagte, wird sich in vielen nicht einmal infolge der seelischen Umwälzung, die der Weltkrieg hervorgebracht, wandeln. Diese Abneigung ist ja in manchen so groß, daß sie um der unerwünschten Vergrößerung der jüdischen Bevölkerung wegen lieber auf jede Erweiterung deutschen Reichsgebietes verzichten. Ihnen gegenüber gilt die Antwort, die Naumann (S. 14—18) allen jenen großen Gruppen gegeben, die aus irgend einer Parteianschauung heraus der Vergrößerung Deutschlands widerstreben. Wir haben keine Wahl, und es gilt daher, aas Sonderinteresse dem Allgemeininteresse des Vaterlandes zu opfern. Die Schädlichkeit also angenommen — nicht zugegeben — sie ist nur abzuschwächen, wenn die Juden in ihrer weit überwiegenden Masse in ihrer alten Heimat bleiben. Die Mittel aber, die Ostjuden auf ihre Heimat zu beschränken, können nie Zwangsmaßregeln sein, sondern nur geistiger Natur. Nicht aus der Forderung der Menschenliebe, nicht aus einem Anspruch auf Gerechtigkeit, sondern aus