Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Deutschland und die Ostjudenfrage. heit so sehr vergessen, daß er ein Freund der Juden geworden und seine politischen Zukunftsideale auch nur im geringsten durch eia spezifisches jüdisches Interesse bestimmen läßt. Das alles, was wir im Namen von Jentsch, Rohrbach und Naumann angeführt, hätten wii auch aus uns selbst sagen können. Demi es ist eine Wahrheit, die sich jedem geradezu aufdrängt. Wir haben‘es vorgezogen, andere für uns sprechen zu lassen, uni auch den leisesten Schein zu vermeiden, als ob bei uns der Wunsch der Vater des Gedankens wäre, als ob wir um des Mitleids mit unseren Glaubensgenossen willen das — wer wollte uns das verargen? — freilich in uns lebendig ist, die Theorie von der Notwendigkeit der Angliederung oder der deutschen Beeinflussung der Westprovinzen Rußlands befürwort eten. II. Also Deutschland muß in irgendeiner Form über seine Ostgrenzen hinaus wachsen und erhält damit unweigerlich einen Einfluß auf eine große jüdische Bevölkerung, wie es selbst durch diese ebenso unfraglieh beeinflußt werden wird. Unter den schweren Problemen, mit denen Deutschland aus diesem Kriege belastet hervorgeht, ist das ein neues Problem. Es ist unsere Meinung, daß dies Problem nur dann zu einer für Deutschland günstigen Lösung gelangt, wenn es im Sinne des überlieferten Judentums gelöst wird, daß wir daher als Deutsche und als Juden ein völlig gleiches Interesse an einer ganz bestimmten Art der Lösung haben. Wären wir nicht aus innerster Überzeugung heraus dieser Meinung, dann würden wir kein Wort über dies Problem verlieren. Denn, gäbe es eine Lösung, die dem Interesse Deutschlands in höherem Maße diente, aber uns in Konflikt mit den Wünschen bringt, die wir für die Erhaltung unseres Glaubens hegen, so würden wir schweigen, das kann keiner von uns verlangen und gälte es auch unser Bürgerrecht, daß wir zum Totengräber des Teuersten werden, das wir besitzen, unseres heiligen Glaubens. Und gäbe es wieder eine Lösung, die dem Tudentume förderlich ist, aber Deutschland zum Schaden ge-