Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutschland und die Ostjudenfrage. T I dann unsere Brücke nach dem Orient? Wo bleibt der Orient selbst? Wo bleibt die Möglichkeit, Ägypten und den Suezkanal als Regulator unseres Verhältnisses zu England zu benutzen? Wo bleibt jenes wichtige Ziel für die Zukunft, unseren Bedarf an Rohstoffen und Lebensmitteln durch Aufschließiung des Orients und Ausnutzung unserer Verbindungen dorthin zu sichern? Gibt es eine andere Verbindung nach dem Orient, die auch für den kritischen Fall sicher funktioniert außer über Belgrad und Konstantinopel? Nein, die gibt cs nicht. Wir können die Türkei nicht preisgeben und Rußland kann nicht anders als bis zur letzten Faser politischer und militärischer Kraft gegen uns kämpfen; wenn nicht mehr In diesem Kriege, dann im nächsten und wenn nicht mehr im nächsten, dann im übernächsten. Das ist eine höchst verhängnisvolle Verkettung der Umstände, aber sie zwingt uns dazu, mögen wir wollen oder nicht, auf jeden Fall das Ziel der möglichsten Schwächung Rußlands zu verfolgen. Rußland ist in einem gefährlicheren Sinne unser Feind als England. Soweit Paul Rohrbach: Sollen wir noch Friedrich Naumann zitieren? In seinem Buche „Mitteleuropa“ ') geht er andere Wege wie deutsch und Rohrbach. Weder das mehr agrarische Ziel des ersteren noch die Durchdringung der Welt mit der deutschen Kultur wie beim letzteren steht irgendwie im Mittelpunkt. Aber das ganze Buch ist ein einziger Beleg für die von diesen beiden verfochtene These: Der einzige Feind, der Deutschland ins Herz treffen kann, ist Rußland. Wir haben nur die Wahl, ob wir russisch werden wollen oder mit Österreich-Ungarn eine solche starke mitteleuropäische Macht, daß sie diesem Reiche widerstehen kann. Auch von Friedrich Naumann wird man nicht sagen können, daß er seine „christlich-soziale“ Vergangen- 3) Verlag von Georg Reimer, Berlin. Ein Buch, das ein Franz Oppenheimer in zwei Artikeln der Sonntagsbeilage der Vossischen. Zeitung“ wie eine Offenbarung begrüßt hat, bedarf keiner weiteren Empfehlung. Wer in dem ungeheuren Sturm unserer Zeit zugleich politisch belehrt und erhoben sein will, greife zu diesem Buche!