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Jeschurun · 1915-12-01 · Heft 12 (Dezember 1915) · page 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 12 (Dezember 1915)
Date
1915-12-01
Page
– (sequence 61)
Language
German
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Bilder aus Littauen. 589 Ja. das Erwerbsleben ist jetzt schwer geworden in Grodno. Schließlich können doch nicht alle Leute Teestuben aufmachen oder mit Süßigkeiten für die Soldaten handeln; und wenn man auch durch die Brotkarte zur Sparsamkeit erzogen und mit einem halben Pfund Brot auskommen muß, so will doch das halbe Pfund für den Kopf auch verdient sein. LTnd alle anderen Lebensmittel sind so teuer: dreimal, viermal so teuer als in Friedenszeiten, teilweise garnielit zu haben. Der Zucker 50 Kopeken, das Fleisch 70 Kopeken. Salz 40 Kopeken, Petroleum 60 Kopeken das russ. Pfund. Aber nahe der Grenze, da gibts noch von allem, und alles soll billig sein. Also wird nach Suwalki gefahren zum Einkäufen. So ganz einfach ist das nicht. Zum Fahren braucht man Pferde und Wagen und die sind meistens vom ]Militär recjuiriert. Kur die Droschkengäule hat man, um den Beruf nicht brotlos zu machen, zu schonen befohlen. Also sucht mein Nachbar, da er selbst über die nötigen Kapitalien nicht verfügt, einen Kompagnon. Der findet sich, und der Droschkengaul findet sich, und der Panjewagen — ein Gefährt, das jeder Soldat, der im Osten war. kennt und fürchtet — findet sich. Die G. m. b. EL — ein weiterer Kapitalist hat das Kapital zum Einkäufen hergehen müssen — will die Tour besonders rentabel gestalten und nimmt eine Ladung von dem berühmten Grodnoer Hauch- und Schnupftabak mit. SeLereschewskyscher Machorka, eine Berühmtheit. Die Fabrik, die in Friedenszeiten 2000—3000. jetzt 500—600 Juden beschäftigt, ist die Nährquelle, das Lebenszentrum der ganzen Stadt. Deshalb ist auch ihr Betrieb als einziger im okkupierten Lande freigegeben. Wer wird nicht Machorka kaufen‘? Also unter den besten Voraussetzungen beginnt die Reise. Doch mit des Geschickes Mächten! Auf halbem Wege Revision des Wagens, und der schöne, gute Machorka wird requiriert. Deutsche Soldaten wollen rauchen. Dafür bekommt der Jude einen Schein, einen guten Schein mit Unterschrift vom Offizier und richtigem Stempel. Nun in Suwalki! Wie schwer ist der Einkauf! Wie teuer ist alles! Und obendrein die Not mit dem Geld.

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