Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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580 Von den 613 Gesetzen. Sinai und der Erbauung des Tempels lebten, wo doch andere Opfergesetze galten? Wie steht es mit den Gesetzen, die nur der Gesamtheit gelten, die also der Einzelne gar nicht zu erfällen in der Lage ist? Nach der Tempelzerstörung sind viele Gesetze sistiert und sie zu beobachten ist unmöglich, was rufen uns also heute Glieder und Sonne zu? Was rufen sie den Frauen zu, die von vielen Geboten befreit sind? Was rufen z. B. die für Jibbum und Chaliza bestimmten Glieder zu, zumal dem, der keinen Bruder hat? Wie ist es in einem Schaltjahr? Weiter: Aus dem oben zitierten Midrasch, nach welchem Naomi zu Rut sagt, daß wir 613 Gesetze haben, könnte bei wörtlicher Auffassung gefolgert werden, daß alle Gesetze, die nicht für Frauen gelten, von der Zählung ausgeschlossen sind. Ferner: Da unter den 248 Gliedern nach Mischna אהלות I 8 die Teile des Knochengerüstes verstanden werden, so ist die Frage berechtigt, warum denn die wichtigsten Organe, wie Herz. Nieren. Gehirn u. s. w. unberücksichtigt bleiben!). Kurz eine wörtliche Auffassung der Midraschim führt zu Rinnlosigkeiten. Daß M. diese auf der Oberfläche liegenden Einwendungen entgangen sein sollten, ־wird kein Verständiger behaupten wollen• M. zählt das erste Gebot des Dekalogs trotz seines Allgemeinbegriffs, einer von ihm seihst aufgestellten Regel zuwider, deshalb, weil, wie oben zitiert, R. Hamnuna sagte, daß die zwei ersten Gebote des Dekalogs zu dem Zahlenwert von 611 תירה hinzukommen, so daß die Zahl 613 entsteht. Nun zählt aber M. das von R. Hamnuna als ein Gesetz gezählte zweite Gebot des Dekalogs, weil er an andere Stellen dachte, als 3 Gesetze, obwohl er damit die ganze Addition R. Hamnunas, auf die er sich doch eben erst berufen hat. über den Haufen stürzt. Kann ein Verständiger behaupten, daß sich *) Symbolisch aufgefaßt ist das ein schöner Gedanke: Das innere Fühlen und Empfinden, das freiwillige liebevolle Unterordnen muß als Ergänzung hinzukomxnen, damit das Gesetz nicht ein Skelett bleibe, sondern lebendig werde, damit die äußere Übung ihre wahre Vollendung und ihren rechten Wert erlange.