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Jeschurun · 1915-12-01 · Heft 12 (Dezember 1915) · page 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 12 (Dezember 1915)
Date
1915-12-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
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574 Von den 613 Gesetzen. Nicht der Schwung hoher Poesie und künstlerischer (Testaltung bildet den Wert dieser Asharot, sondern die Gesinnung, die daraus spricht, das Fühlen und Empfinden des jüdischen Herzens, das der äußern Satzung ein inneres Leben gab. verleiht diesen Erzeugnissen, man mag sie dichterisch bewerten, wie man will, ihre wahre Bedeutung und macht sie zu Ehren Zeugnissen für Israels Gemüt, dem alles zum Liede ward, zum Preisgesang für Gott dem Herrn. Der Name Asharot. der ursprünglich eine Warnung vor der Übertretung von Verboten bezeichnet, wurde für diese Piutim deshalb gewählt, weil das Wort אזהרת, mit dem eine der ältesten dieser Dichtungen beginnt, den Zahlenwert von 613 hat. Man kann meines Erachtens R. Simon aus Kahira als den ersten Asharotdichter bezeichnen, weil die Einleitung zu den Halachot gedolot kaum etwas anderes darstellt als einen Piut. Hängt doch diese Einleitung an sich nicht mit dem Werk zusammen. Sie hat eine ganz andere Sprache und eine ganz andere Tendenz als das Werk selbst. Sie liest sich ganz wie ein Piut. Der Rhythmus der Verse und des Ausdrucks ist unverkennbar. Der ganze Aufbau zeugt von dichterischer Freiheit, obwohl selbstverständlich alles wohldurchdacht und wohlerwogen ist. Aber wenn dieser große Gesetzeslehrer rabbinische Gesetze neben biblische als koordiniert gestellt und es nicht für nötig erachtet hat, seine, selbstverständlich berechtigten Motive auch nur anzudeuten und es durch einen Hinweis auf die talmuais׳ he Diskussion zu begründen, warum er gerade üie wenigen von ihm aufgezählten rabbinischen Satzungen zu den 613 Gesetzen rechnet und andere nicht, wenn er Einzelgesetze neben ganze Abschnitte setzt und die Parsehiot. die viele Verse und Gesetze enthalten, genau so als Einzelnummern zählt wie kurze Satzteile, so kann das ausreichend nur damit erklärt werden, daß er die Zahl 613 nicht für eine halaehische, sondern für eine aggadische gehalten hat, die er nach freier Gestaltung mit einem Inhalt füllte, der ihm unter Berücksichtigung der talmudischen Erörterungen als ein angemessener erschien. Seine Zusammenstellung trägt rythmisch-

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