Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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57° Homiletisch-Exegetisches III. Die zwei Tafeln. ״Was stand auf den zwo steinernen Tafeln des Bundesrw Wir antworten gewöhnlich, allerdings nicht im Sinne Götlies; Pflichten gegen Gott und Pflichten gegen den Nebenmenschen Darum ist die Stellung des fünften Gebotes zweifelhaft: ob es die Eltern als Stellvertreter Gottes auf Erden, oder als die obersten Nebenmenschen zu ehren anbeliehlt, und ob es demnach die erste Tafel beschließt oder die zweite beginnt. Ich glaube, man muß eine andere Scheidung vornehmen: Gottespflicht steht auf der einen wie auf der anderen Tafel 1). Eine positive und eine negative Tafel möchte ich unterscheiden. Auf der positiven steht כבר —זכל^ — אנכי. Sie ordnet das religiöse Tun. im Sinne der Selbstheiligung: heilige deine Person, deine Arbeit, deine Familie. So heißt es ja auch in jener anderen Manifestation im 19. Kap. des 3. Buches, in der man schon immer eine Parallele zum Zehnwort erblickt hat: קדושים תחיו; und daran unmittelbar anschließend איש אמו ואביו תיראי — ואת שבתתי תשמרו — אני ד׳, also das 1.4 י. und 5. Gebot. Nur in umgekehrter Reihenfolge (sogar אמי von אביו!), weil hier das Ziel der Erziehung angegeben ist, und darum auch ihr naturgemäßer Fortgang berücksichtigt sein muß. Das Kind lernt seine Mutter vor seinem Vater kennen; und ebenso übt es Elternliebe vor Sabbatheiligung; und erst auf Grund dieser beiden und meist viel später kommt es zur rechten Gotteserkenntnis. Dagegen im Dekalog ist sowohl die weit״ historische Reihenfolge gewahrt (Gott-Sabbat-Familie) als auch die Abstufung vom Weiteren zum Engeren. So erscheint, aus den gleichen Elementen zusammengesetzt, die Siebenzahl als Rahmen und die Zwölfzahl als Inhalt in einer Prophetie, die ausgesprochenermaßen die Bedeutung und eigenartige Schicksalsfühnuig Israels im Rahmen des Welt- und Völkerganzen zum Gegenstände hat. ף Man vgl. III, Kap. 19, das wir weiterhin mehrfach heranziehen, und wo die sozialen Pflichten, so gut wie die rein religiösen, mit dem Stempel 'אבי־ ד versehen sind.