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Jeschurun · 1915-12-01 · Heft 12 (Dezember 1915) · page 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 12 (Dezember 1915)
Date
1915-12-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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H o m ileti s c 11 - E x eg e t i s che 56/ man zählt und mißt es nach geistigen, ewigen Werten; den Tod und die Vernichtung, zu denen ich dies Volk verfluchen soll, gibt es gar nicht bei ihm; und darum ״stürbe doch meine Seele den Tod der Frommen, und wäre doch mein Ende wie das ihreu — sie hören ja mit dem Tode gar nicht auf zu sein und wirken auch nach ihrem Ende fort und fort. Sie sind 1111sterblich, nicht nur als Personen, sondern auch als Volk. In diese klare Gedankenfolge (vgl. dazu auch S. ß. Hirsch) passen nur die dem הן <ם voraufgehenden Worte nicht recht hinein: בי ■מראש צרים אראנו ומגבעות אשורנו. Wofür soll der eigentlich recht nebensächliche Umstand, daß Bileam das israelitische Volk von einem naturgemäß höher gelegenen Standort, ״vom Felsengipfel aus erschaut und von Hügeln überblickt“, die Begründung sein? Hinzu kommt, daß er doch nur auf einem Hügel gestanden haben kann. Hier vermag nun der bekannte Midrasch: בי מראש צורים אלו אבית ומגבעות אלו אמהיח unsere Gedankenreihe lückenlos zu schließen, und sie zugleich, so modern sie anmutet, im Geiste unserer Alten zu bestätigen. Das Gesetz der empirischen Entwickelung ist eben Entwickelung, aus kleinstem Anfang immer weiter und höher; gerade deshalb muß früher oder später der Höhepunkt erreicht werden, von dem aus der Abstieg mit Naturnotwendigkeit einsetzt. Das zeigt die Geschichte aller Völker, ausgenommen Israel. Israel stellt schon am ersten Anbeginn felsenstark und bergehoch, gegründet. Seine Stammväter und -mutter stellen in der ihren Nachkommen zugewiesenen Aufgabe bereits eine absolute Höhe dar :von ihnen aus hat sich eine Emporentwickelung nicht zu vollziehen brauchen, und darum ist auch kein Niedergang und endliches Aufhören zu erwarten. (Vgl. רש״י zur Stelle: אני מסתכל בראשיהם ובתהלת שרשיהם ואני!־ואה אותם מיוסרים וחזקים בצורים וגבעות ע״י אבות ואמהות). Darin liegt der tiefste Grund für das בדי* ישבן. die Sonderstellung Israels, den besonderen geistigen Maßstab, mit dem es zu messen ist, und die gerade, ungebrochene Linie (!ישרים), in der sich, allem irdischen Wechsel und Wandel zum Trotz und im Gegensatz zur Wellenbewegung anderer Kulturen, seine Geschichte vollzieht.

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