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Jeschurun · 1915-12-01 · Heft 12 (Dezember 1915) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 12 (Dezember 1915)
Date
1915-12-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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558 Christian Science. sagen: Wegen dieses Karren, der Unrecht tut, sollen wir unsern Auftrag nicht erfüllen?י‘ Die Naturgesetze gehen den ihnen von Gott vorgezeichneten Weg. wenn auch der Mensch seinem Verhalten nach die daraus entspringende Wohltat nicht verdient. Daß im Talmud auch Amulette (קמיעות) als Schutzmittel für Menschen und Tiere erwähnt werden, darf uns nicht wundern. ״Amulette, sagt Preuss. gehörten im Altertum zum legitimen ärztlichen Heilapparat.״ Sie bestanden übrigens nicht nur aus einem Blatt, worauf ein Spruch geschrieben war, sondern häufig auch aus Wurzeln oder Kräutern. Interessant ist7 daß die Kemea speziell als Heil- und Schutzmittel gegen die Epilepsie erwähnt wird, die ja bekanntlich zu den Nervenkrankheiten gehört. In einer Zeitschrift will ein Pfarrer die Wundererzählungen, die im Religionsunterricht vorgetragen werden, dafür verantwörtlich machen, daß der Scientismus eine so große Verbreitung gewonnen hat. Ob die Berichte über Teufels austreib ungen im Neuen Testament einen solchen Einfluß auzuüben imstande sind, wollen wir dahingestellt sein lassen; die Anhängerschaft der Wahrsager und Spiritisten rekrutiert sich jedenfalls zum großen Teil auch aus Leuten, die der Religion gleichgültig, wenn nicht feindselig gegenüberstehen. Je weniger Glaube, um so mehr Aberglaube, sagt ein bekannter Autor. Mit dem Wunderglauben der Bibel und des Judentums hat der Scientismus sicherlich nichts zu tun. Der Glaube, daß Gott in außerordentlichen Fällen in wunderbarer Weise 111 den Gang der Ereignisse eingegriffen habe, beruht auf der . eugung von der Allmacht Gottes, der die Naturgesetze geschaffen hat und darum auch Herr über sie ist. Aber dieser Glaube hindert uns nicht, für unser Verhalten im Leben die Unverbrüchlichkeit der Naturgesetze anzunehmen nach dem Grundsatz: ״Man verläßt sich nicht auf Wunder“. Die Überzeugung aber, daß alles in der Hand Gottes ist, und daß er auch da, wo des Arztes Kunst versagt, noch imstande ist, zu helfen, vermag uns nicht nur iu schweren Zeiten vor Verzweiflung zu bewahren, sie ist auch geeignet, uns edler und besser zu machen.

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