Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Christian Science. 555 Aussatz befallen ist. Dem erkrankten König Chiskija verkündet der Prophet Jesaia die Weissagung: ״Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht mehr leben“. Er aber antwortet ihm: ,.Selbst wenn das scharfgeschliffene Schwert schon drohend über dem Nacken des Menschen schwebt, soll er sich der Hoffnung auf ErhÖrung seines Gebets nicht entschlagen“; und er betet und findet Erhörung (Berachot 10a). Aber dieses Vertrauen auf Gott und auf die Macht des Gebets ist kein fatalistisches. Wir müssen alles tun. was in unseren Kräften steht, um das Ziel auf natürlichem Wege zu erreichen. ״ .אין סומבין על הנםMan verläßt sich nicht auf Wunder“. Das ist ja überhaupt das Prinzip des Judentums, daß der Mensch bei jedem Ziel, das ihm vorschwebt, sein ganzes Können einsetzen muß. Der Erfolg freilich, dessen müssen wir uns stets bewußt sein, ist von dem Willen Gottes und von seinem Segen abhängig: aber dieser Segen wird uns nur zuteil, wenn wir unsere Schuldigkeit getan haben. So soll auch das Gebet für den Kranken nur die Hilfe Gottes erbitten, damit die natürliehen Mittel, die wir anwenden, ihren Zweck nicht verfehlen. Es finden sich allerdings auch Lehrer des Talmud, die sich gegenüber der Kunst des Arztes sehr skeptisch äußern und meinen, der Mensch solle alles nur von der Hilfe Gottes erwarten. So sagte R. Acha: ״Die Menschen sollten sich eigentlieh gar nicht mit der Heilkunst befassen, sie haben es sich nur so angewöhnt“. Ihm tritt aber sofort Abaje entgegen, indem er sagt: Es heißt ja in der Bibel ירפא ירפא, daß derjenige. der einen anderen verletzt, die Heilkosten tragen muß; damit ist doch die Tätigkeit des Arztes vorausgesetzt (Beraehot 60 a). Übrigens sagt derselbe R. Acha an einer anderen Stelle (Wajikra rabba 16,8) im Anschluß an das Schriftwort יחסיר ה■ ממך בל חלי, daß es vom Menschen selber abhängt, ob er krank wird oder nicht (מ מ ך בל הלי), daß er sich also durch ein gesundheitsgemäßes Leben vor der Krankheit schützen kann. Auch aus der Stelle ״ ונשמרתם מאד לגפשתיכםihr sollt euer Leben sehr in Acht nehmen“ (Deut. 4,16) wird die Verpflichtung gefolgert, alles zu vermeiden, was Leben und Ge-