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Jeschurun · 1915-12-01 · Heft 12 (Dezember 1915) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 12 (Dezember 1915)
Date
1915-12-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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554 Christian science. darf, philosophische and religiöse Richtung, die eine große Zahl von Anhängern besitzt, den weitesten Kreisen bekannt wurde. Und dieser Charakter der scientistischen Sekte gibt auch uns die Veranlassung, uns hier mit ihr zu beschäftigen. Die Scientisten behaupten, daß außer Gott nichts existiert, daß das Übel mit Gottes Allgegenwart und Gottes Güte nicht zu vereinigen ist und daß deshalb der Träger alles Übels, die Materie, nur Schein ist, der durch sündhafte Gedanken entsteht. Wer gut ist. überwindet diesen Schein, und deshalb ist auch jede Krankheit durch die Kraft des Willens und durch das Gebet zu überwinden. Wer selbst dazu nicht imstande ist. der nehme die Hilfe eines Scientisten in Anspruch, der ihn für gute Bezahlung• in seinen Bemühungen unterstützt. Einen Arzt aber darf er!lieht zuziehen, denn, so sagt Miss Edcly, die amerikanische Prophetin des Seientismus, .,man kann nicht zweien Herren dienen״. Und die .Behandlung vollzieht sich ohne genauere Kenntnis des Kranken, ohne Diagnose, ohne Rücksicht, ja sogar im Gegensatz zu dem Wesen und zu der Katar der Krankheit. Auf die echt amerikanische Art der Verbindung von Geschäft und Glauben haben wir hier nicht einzugehen. Auch die merkwürdige Philosophie des Seientismus und der Mangel an Logik, der sich darin offenbart, gehört nicht in den Rahmen unserer Betrachtung. Was uns interessiert, das ist die religiöse Seite des Problems. Per Seientismus bezeichnet sich als ״christliche "Wissenschaft■״. Per Vorsitzende in dem Moabiter Prozeß hat zwar behauptet, der Seientismus stehe im Gegensatz zum Christentum. Aber es ist Tatsache, daß sehr viele gläubige Christen sich zu ihm bekennen, und deshalb müssen wir uns die Frage vorlegen: Wie stellt sich das Judentum zu der religiösen Anschauung der scientistischen Sekte? Die Kraft des Gebets wird auch im Judentum nachdrücklieh hervorgehoben, wie ja eigentlich jede positive Religion dem Gebet eine zentrale Stellung einräumt. Von dem Gebet für Kranke ist an vielen Stellen der Bibel und des Talmud die Rede. Mose betet für seine Schwester Mirjam, die vom

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