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Jeschurun · 1915-12-01 · Heft 12 (Dezember 1915) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 12 (Dezember 1915)
Date
1915-12-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Deutsche Treue und jüdische Treue. 533 ihn als Sinnbild des ״Deutschtums“ hinstellen will, dem ist nicht zu helfen. Vor dem Kriege las man es anders. Da war er der Held des ״guten Europäers“ 1). Und als Gegenstück weisen wir auf Friedrich den Großen hin. Er versinnbildlicht doch wohl im höchsten Maße Pflichtenlehre und Pflichtenleben r des deutschen Idealismus“. Er wurzelt, wie männiglich bekanntj mit allen Fasern seines Denkens und Fühlens in der Geisteswelt der französischen Aufklärung. Er hatte so gar nichts von dem ״Deutschtum“, das von den heutigen Philosophen konstruiert wird. Deutsch war sein Charakter, aber davon wollen wir später sprechen. Und wenn unsere Philosophen noch untereinander einig wären! Aber man lese ״Deutschtum und Judentum“ von Cohen, ״Die Nationen und ihre Philosophie“ von Wundt und ״der deutsche Idealismus und die Aufgaben der Gegenwart“ von Eucken. und man wird sehen, daß ein jeder einen anderen ..deutschen Idealismus“ konstruiert. Sie entwickeln eben Ideen und geben keine Wirklichkeit. Und wenn wir in Bezug auf die Philosophie zugeben wollten, daß Kant die höchste und unerreichbare Spitze darstellt. — auch das gilt ja nur für Neukantianer, wie Cohen und andere, die das Wort geprägt haben: ״Zurück zu Kant“, während sehr weite Kreise in Spinoza den Höhepunkt sehen, — aber das einmal zugegeben, wie vermag man die Kunst heranzuziehen, um das eigentümlichste der Wesensart de« Deutschen festzustellen und ihn aus der deutschen Kunst her1־ ..׳s als einen vollkommensten Typus unter den Yo ׳~stypen zu begreifen?! Man vermag freilich alles, wenn man eben nach einem festgelegten Gedankenschema konstruiert. Dann ist ״die Musik, weil ihr Gebäude reiner Hauch, rhythmisierte Atemluft ist. die edelste der Künste“ (Cohen S. 15) und weil die deutsche Musik den Gipfelpunkt in der Geschichte der Musik darsteilt, *) Auf den seltsamen Einfall (Cohen S. 14) ״die fromme Lyrik“ des Dichters des ״Römischen Elegien“ mit der frommen Sehnsucht der Psalmen in eine Parallele zu stellen, sei liier nur hingewiesen. Emsthaft darüber zu diskutieren, lohnt sich nicht.

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