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Jeschurun · 1915-12-01 · Heft 12 (Dezember 1915) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 12 (Dezember 1915)
Date
1915-12-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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534 Deutsche Treue und jüdische Treue. wieder das ]Nötige bewiesen1). Als ob man die Künste in eine solche Rangordnung bringen könnte! Wohin man greift, läßt uns dies Kriterium in Stich. Leonardo da Vinci, Michelangelo, Raffael in Italien, Shakespeare, — von dem immer noch die Frage, ob er als Dichter nicht größer ist als Goethe, — in England, und selbst von der Gothik ist es strittig, ob sie deutschen oder französischen Ursprungs ist. Und die Religion?! Franz von Assisi und Ignaz Loyola sind ebenso religiöse Genies wie Luther. Und geht nicht die religiöse Spaltung mitten durch Deutschland, will man das wesentlich katholische Süddeutschland, die Deutschösterreicher und vor allem die Tiroler, die sich jetzt wiederum im höchsten Sinne als Deutsche bewährt haben, ausschließen, wenn es gilt, den Typus des Deutschen zu bestimmen?! Übertreibung und Einseitigkeit wäre es auch von uns, wollten wir leugnen, daß Religion, Philosophie und Kunst als Schöpfungen des Volksgeistes nicht berücksichtigt werden müßten, wenn es gilt, das Wesen eines Volkes darzustellen. Als verunglückt muß aber der Versuch gelten, aus diesen Kriterien allein es bestimmen zu wollen." Aber wir gehen noch weiter. (Hier haben wir es freilich nicht mehr mit dem Buche von Cohen zu tun, denn er hat ja von vornherein diese Gesichtspunkte ausgeschaltet.) Wir bezweifeln, ob man selbst aus den politischen und sozialen Verhältnisse^ aus der politischen und sozialen Entwickelung auf den Charakter eines Volkes schließen kann. Ist bei den großen Uniwälzungen, die sich im Leben der Völker abspielen, wirklich ihre Eigenart beteiligt? Haben wir es hier nicht mit Kräften zu tun, die durch ganz andere Ursachen gewirkt werden, durch geographische Lage, durch die größere Stärke und Schwäche der Nachbaren, durch wirtschaftliche Zustände, durch den Umstand, daß ein bestimmtes Volk gerade dann eine besondere J) Auch hier steht man vor einer Unbegreiflichkeit, wenn Cohen in einem Buche, das er mit seinem Namen deckt, eine Verbindung zwischen Deutschtum und Judentum schlagen will durch die Zusammen- Stellung der jüdischen Synagogalmusik mit der deutschen Musik.

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