Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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530 Deutsche Treue und jüdische Treue. seheidenheit hervorkebt, die doch in Michelangelos Bildwerk so gar nicht zum Ausdruck kommt, ebensowenig ist Lederers Bismarck, der mit Recht als das bedeutendste Denkmal des ersten Reichskanzlers gilt, der ganze Bismarck. Genau das gleiche aber gilt von den Gegenstücken: von der Darstellung der Volkstypen durch jenen anderen Moses und den deutschen Michel. Es sind Darstellungen eines Zuges, sagen wir eines charakteristischen Zuges, auch das könnte noch sehr bestritten werden, aber nicht ein Bild des gesamten Volks- Charakters. Das alles ist natürlich nur ein Gleichnis. Es beleuchtet aber die Schwierigkeit, in wenigen Stricken das Bild eines Volkscharakters zu zeichnen. Denn dies gelingt ebensowenig der redenden Kunst, ebensowenig der Wissenschaft. Hier ist die Möglichkeit gegeben, im Nacheinander der Darstellung den gerügten Fehler zu vermeiden. Und dennoch haben wir den Eindruck, als ob man auch hier zumeist zu falschen Resultaten gelangt. Auch hier, weil man aus ragenden Spitzen den Volksty p u s ableiten will, aus geistigen Bewegungen den Volks Charakter, aus der Eignung für die Lösung gewisser Aufgaben bestimmte Tugenden. Es ist sehr kühn, nun doch unsrerseits den Versuch zu wagen, den Deutschen zu charakterisieren, noch kühner eine Parallele zwischen dem Deutschen und dem Juden zu ziehen. Wenn der Versuch nicht ganz mißlingen soll, so gilt es, die Fehler der Vorgänger zu vermeiden. Es wird also vor allem darauf ankommen, zu zeigen, mit welchen Mitteln man die Völker nicht charakterisieren darf und für unseren besonderen Fall, wie die Parallele zwischen Deutschen und Juden nicht zu ziehen ist. Um uns nicht zu zersplittern und den Leser nicht zu ermüden, wählen wir als Gegenstand unserer Kritik, die uns den Weg zum positiven Aufbau bahnen soll, ein Buch. Das Buch des würdigsten Gegners: ״Deutschtum und Judentum“ von Hermann Cohen. Das Wort des großen Philosophen fällt