Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1915-11-01 · Heft 11 (November 1915) · page 31

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 11 (November 1915)
Date
1915-11-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2292942-2292953--01032-2294280
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Fisch als Symbol. 511 geistiges Genießen, das in dem Bilde materiellen Genusses dargestellt wird. So wie man in dem יין המשומר das kostbarste Getränk für das Bild einstigen seelischen Genusses wählte, so auch den לויתן als die geschätzte Fischspeise der alten Zeit. Wenn die Kinder Israel sich über die ihnen entgangenen kostliehen Gerichte Ägyptens beklagen, so stellen sie den Fisch in erste Linie, und wenn wir von den Gelagen in Athen und Born lesen, so wird der Fisch unter den ausgewählten Gerichten nicht fehlen. Ja, mit schwerem Gold wurden die feinen Fischarten in Born, und wo durch die römische Herrschaft auch römische Sitte sich eingebürgert hatte, aufgewogen. Diese Bevorzugung und Wertschätzung der Fischspeise mag wohl die erste Veranlassung dazu gewesen sein, daß der Fisch dazu ersehen wurde, die Speisefolge des Freitagabend-Tisches zu bereichern. יין בשר ודגים wurde das Erfordernis für das Mahl am Freitagabend. Aber auch als leckere Speise bewahrt sie den Charakter eines Symbols. Bei allen Völkern finden wir, daß sie manche Festtage durch ein besonderes, landesüb- ]ich gewordenes Gericht oder Gebäck auszeichnen, das aber nachgewiesenermaßen symbolischen Charakter hat, und bei uns Juden selbst haben ja gewisse Speisen z. B. am Neujahrstage allbekannte symbolische Bedeutung, und so ist es auch mit dem Fisch am Freitagabend. Kein höheres und innigeres Fest kennt die Judenheit als den Freitagabend. Familienglück beleuchtet die Sabbatlampe, hier wohnt die Ruhe; wenn auch draußen der Sturm tobte, der die Woche über den vom Pöbel gehetzten und verhöhnten Juden ruhelos umhertrieb, hier in seiner Sabbatstube, umgeben von Weib und Kindern fühlte er sich wie ein König, und weil er wußte, was er alles dem Sabbat verdankte, so scheute er auch keine Ausgabe, so wußte er vom kargem Verdienst noch immer so viel zu erübrigen, um dem Sabbat die ihm gebührende Auszeichnung durch Speise, Trank und Kleidung zu erweisen, nach außen hin zu zeigen, daß der Sabbat ein Ehrentag sei. So ist diese Ehrung eine religiöse Übung und so wird auch die Speise, die man zu Ehren des Sabbat genießt, zum Symbol. Der Sabbat wird ihm zu einem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.