Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 11 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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510 Der Fisch als Symbol. schnappen, als wäre ihnen das Wasser etwas ganz Fremdes: So auch Israel; auch der, welcher in der Thora-Atmosphäre webt und lebt, hört er einen neuen Gedanken, eine neue Erklärung, er horcht auf, und, lernbegierig, sucht er das Gehörte sich anzueignen und ist so freudig erregt, als hätte er noch nie ein Wort der Thora gehört. So wird der Fisch zum Symbol des Lerneifers, des Strebens nach dem Wissen, das den Juden stets ausgezeichnet hat, und zwar so sehr, daß er nicht fragt, wer ihm das Wissen bringe, jeder ist ihm willkommen, auch der Geringste ist ihm nicht zu gering, um durch ihn sein Wissen bereichern zu können. איזהו חכם הלומד מכל אדם שב' מכל ״ .מלמדי השכלתיWer ist der wahre Weise, der von jedem Menschen lernt, denn so heißt es: Von allen, die mich belehrt, habe ich Wissen erlangt“ (Aboth VI l)1). In der jüdischen Welt spielt aber der Fisch noch eine andere, als eine rein symbolische Holle, da das Symbol dem reinen Genuß gegenüber nicht ganz geschwunden ist. Wir haben oben schon bemerkt, daß die Symbolik des Fisches für das Jenseits nach zwei Richtungen geht: geschützte Ruhe und *) Es sei hier bemerkt, daß in der ersten Zeit der Entstehung des Christentums der Fisch als Symbol verehrt wurde. Darin unterscheidet sich die christliche Symbolik von der jüdischen, daß es hier nur Gleichnis blieb und es zu einer Verehrung nicht kam. An den Wänden der alten Katakomben in Rom, in denen die ersten Christen ihre religiösen Zusammenkünfte abhielten, bemerkt man unter den gemalten Bildern oft den Fisch. Man sah in ihm einen Gegenstand der Verehrung, da man in dem griechischen das Notarikon ,I^aou? Xpiorog 0sot> Xtoc £«־uyp las. William Lecky, Gesch. des Geistes der Aufklärung, übers, von Immanuel Ritter, scheint recht zu haben, wenn er diese Symbolik auf heidnischen Einfluß zurückführt. Bei den Heiden wurde vielfach der Fisch als das Symbol der Fruchtbarkeit verehrt, wie der Dagon der Phönizier. Einem Juden nur soll es eingefallen sein, den Fisch als Gegenstand der Verehrung seinen Gläubigen vorzuweisen. Sabbati Zewi soll einer, allerdings nicht sehr vertrauensvoller Quelle nach, auf seiner Reise nach Konstantinopel einen Fisch in ein Tuch gewickelt mit sich geführt haben, den er seinen Anhängern, die ihn um die Bedeutung seines sonderbaren Reisegefährten fragten, als das Zeichen demonstrierte, unter dem Israel werde erlöst werden.