Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 11 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Fisch als Symbol. 507 Entspricht das Bild, das die Phantasie sich geschaffen, auch nicht der Wirklichkeit, lehrt diese auch, wenn wir ihr nahetreten: ״da unten aber ist?s fürchterlich“, daß ״der Größere den Kleineren verschlingt“, so hat doch in der Freude des Menschen am Symbolisieren das Gleichnis über das Ereignis, die Poesie über die Prosa den Sieg davongetragen. Auch im Judentum ist der Fisch zum Symbol glücklichen Daseins geworden. Wo aber läßt sich ein durch nichts getrübtes glückliches Dasein denken? Nicht in diesem Leben, dem, sei es äußerlich noch so behaglich und sonnig, doch immer Schatten anhaften. Ein wahres glückliches Dasein bietet erst das Jenseits, und wenn die durchaus geschützte, von keinem Stoß beunruhigte Seligkeit in einem Bilde den sinnfälligen Ausdruck finden soll, so sprechen unsere Weisen von der Hütte des Leviathan, in welcher die Seelen der Frommen im Jenseits werden geborgen sein: und wenn sie ein Bild für den geistigen Genuß, dessen die Seelen sich einst erfreuen werden, geben wollen, so sprechen sie von der Mahlzeit, die ihnen einst vom Fleisch des Leviathan wird bereitet werden (B. bathra 74b f.). Daß hier nicht an eine grobsinnliche Auffassung gedacht werden darf, daß diese Aussprüche gleich den anderen dort angeführten als Bilder zu verstehen seien, wie auch den Genuß im Jenseits andeutend, der von ״dem Wein, der seit Uranfang in seinen Trauben bewahrt liegt“ (Berackot 64b), darüber belehrt uns Maimonides in dem 8. Kap. der Hilchoth Th'schuba. Das Bild von dem Genuß des Leviathanfleisches als Bild der Seligkeit im Paradiese scheint übrigens ein ganz geläufiges im Volksmunde geworden zu sein, wie folgendes Beispiel zeigt. Der Kaiser Antoninus fragte seinen Freund B. Jehuda, ob er ihm im Jenseits zum Genuß des Leviathanmahles verhelfen könne, j was dieser ihm mit Ja beantwortete (jer. Megillah I 13). Wir können an dieser Talmudstelle unmöglieh vorübergehen, ohne sie durch die ihr vorangehenden Worte zu ergänzen. Vor dieser Frage hatte nämlich der Kaiser an seinen Freund die Frage gestellt, ob er ihn nicht wolle an dem Pesachopfer-Mahle teilnehmen lassen, was dieser aber ablehnte.