Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 11 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Gegen den üstheticismus. 499 ein V 01k führt die intensive Betätigung in der einen zur Verkümmerung oder zum mindesten zu einem geringeren Interesse für die anderen. Man komme uns nicht mit dem Einwand, daß die Kunst aus der Religion entstanden, daß ihre innige Verbindung die wunderbarsten Werke geschaffen, den Zeus von Otrikoli, die griechischen Dramen, die Gothik, die Gipfelpunkte der religiösen Malerei, die Kirchenmusik eines Bach. Hier waren in den Meistern die Bedingungen gegeben für jene selten erreichte Harmonie. Aber für den Juden, den Juden als Glied seines Volkes, als Herold seiner Aufgabe mußte es heißen: du sollst dir kein Bildnis machen, denn das ist nur der besondere Fall des grundlegenden Gebotes ״Du sollst keine Götter haben neben mir“, keine Ideale, die dich von deiner dir gewordenen Aufgabe ablenken können. * Wir feiern demnächst das Chanukafest. Es gilt als das Erinnerungsfest für die Auseinandersetzung zwischen Hellenismus und Judentum. Nicht ganz zu Recht. Es war wenig von Hellenismus wie überhaupt vom Geiste der in religiösen Fragen toleranten Antike in dem Versuche zu spüren, die Religion eines Volkes mit Gewaltmaßregeln zu unterdrücken. Es war mehr der Ausfluß einer ״weitsichtigen Politik“, die später .auch von den. Römern angewandt wurde, das jüdische Volk dadurch zu entnationalisieren, daß man ihm das raubte, woraus es mehr als andere Völker die Kraft zum Leben schöpfte, seine Religion d. h. seine Thora, sein Gesetz. Die eigentliche Periode des jüdischen Hellenismus setzt erst später ein, als in der Diaspora Zeit und Gelegenheit gegeben war zu einer friedlichen Durchdringung. Wie dieser Versuch ausging, ist bekannt: Der jüdische Hellenismus ist fast restlos im Christentum aufgegangen, und Träger der Fortentwickelung und des Beharrens im überlieferten Judentum blieb die Gruppe der פרושים, die von den Ideengängen und der Literatur des Hellenismus nichts wissen wollte. Man wird Spuren hellenistischer Einwirkung in Tal- 33*