Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 11 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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498 Gegen den Ästheticismus. Güter seien, sondern ob sie als unantastbar gelten müssen, wenn höhere Werte auf dem Spiele stehen. Und unter diesem Gesichtspunkt müssen wir auch die allgemeine Stellungnähme des Judentums zur Kunst betrachten. Was sollte das Judentum der Welt bringen und was hat das Judentum der Welt gebracht? Das Bewußtsein von der alles beherrschenden Bedeutung der Religion, einer Religion, die nicht nur für Auserwählte gewisse Wahrheiten lehrt und die Masse durch Erregung von Gefühlen befriedigt, sondern einer Religion, die in ihren Lehren und den gebotenen Handlungen zu einem ganzen Volke spricht, und das ganze Leben eines jeden Volksgenossen durchdringen will. Das ״du sollst“, das an den Anfang der biblischen Menschheitsgeschichte gestellt ist, ist Leitmotiv der Geschichte des jüdischen Volkes, soweit sie von fremden Gedanken unbeeinflußt geblieben ist. Wenn man unter den drei Ideen des Wahren, Guten und Schönen wählen will, so ist es die Idee des Guten, zu deren Verkündigung und Verwirklichung das Judentum berufen worden ist. Des Guten nicht im Sinne des rein ethischen, sondern des von Gott für den Menschen als gut erkannten und darum ihm gebotenen. Die Idee des Wahren, das Seiende als Objekt immer tiefer dringender Forschung, das Streben nach der Beantwortung des Wie und Warum kennt die Bibel nicht. Das ״Sich wundern“ des Aristoteles, das der Anfang aller Wissenschaft sein soll, ist ihr fremd. Ihr מדוע, ihr ״warum“ ist nur auf ein religiöses Problem gerichtet: ״Warum ist der Weg der Frevler glücklich?“ (Jeremias 12, 1) ״Warum leben die Frevler?“ (Hiob 21, 7). Das Judentum hat seine höchste Kraft in einem Punkte gesammelt, in der Verbreitung der Idee des Guten, nur so ist es ihm gelungen, seine Religion zum Ausgangspunkte der großen Religionen zu gestalten, daß in seinem Lichte alle Kulturvölker wandeln. Dieser Gedanke von der Wichtigkeit der Sammlung aller Kräfte in einem Punkte gilt auch für die Stellung des Judentums zur Idee des Schönen. Es ist nun einmal nur Wenigen gegeben, die Harmonie der drei Ideen zu verwirklichen. Für