Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1915-11-01 · Heft 11 (November 1915) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 11 (November 1915)
Date
1915-11-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2292942-2292953--01018-2294266
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gegen den Ästhet!cismus. 497 Jungfrauen sollte nicht so schwer wiegen wie unser Anspruch auf die Verbreitung der Kunstwerke Zolas? IV. Diese Lehre gab uns der Krieg. Unsere junge jüdische Generation, die den Willen hat, der Väter frommen Glauben sichzubewahren, sollte sie sich nutzbar machen. Nicht nur um gegen den Astheticismus, wie wir ihn oben in seinen Grundgedanken und Zielen geschildert, gefeiht zu sein, sondern noch um eines anderen Problemes willen. Wir meinen die Stellung des Judentums zum Ideal des Schönen und zu seiner Verkörperung in der Kunst. Das ist ein Problem. Alle Versuche es hinwegzudeuten, scheitern an dem Umstand, daß es nach der Bibel verboten ist, das höchste Objekt der Kunst: den Menschen bildhauerisch zu gestalten. Und noch in einem tieferen Sinn ist es ein Problem: Nicht nur das jüdische Volk in der Zeit seiner politischen Selbständigkeit, auch die geistige Betätigung des nachbiblischen Judentums steht der Kunst wenn nicht feindlieh, so doch gleichgültig gegenüber. Es ist im Bahmen dieses Aufsatzes nicht möglich, dem Problem nachzugehen, seine Schärfe dadurch zu mildern, daß wir zeigen, wie trotz des Fehlens bildender Künstler der Sinn für das Schöne lebendig war, wie in der Dichtung Gipfelpunkte aufleuchten, wie die künstlerische Betätigung sich an der harmonischen Ausbildung der Seelenkräfte versuchte und ״schöne Seelen44 im wahren Sinne des Wortes schuf. ׳ Es soll angenommen werden, daß das Problem nicht zu lösen ist und das Judentum seine Bekenner von der rechten Hingabe an Schönheit und Kunst ausschließt. Und da soll dem, der für das Schöne sich begeistert und für die Kunst schwärmt und der nun durch die Stellung des Judentums zu diesen bedeutsamen Kulturfaktoren sich bedrückt fühlt, die Erfahrung von Reims eine Lehre sein. Hier kam in einem Einzelfalle die Wahrheit uns zum Bewußtsein, daß es in dem Streit um die Bedeutung der Kunst sich nicht um die Frage handelt, ob Schönheit und Kunst an sich wertvolle 33

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.