Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 11 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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496 Gegen den Ästhet!eismns. zu erwerben, um es wahrhaft zu besitzen. Aber wieviel Gift ist auch in junge Seelen geträufelt worden, als s. Z. Zolas Romane für wenige Groschen auf den Markt geworfen und um des sexuellen Beiwerks willen von unzähligen jungen körperlich und seelisch noch unreifen Menschen verschlungen wurden. Wir selbst wissen jetzt nicht genau anzugehen, wie man dem hätte entgegentreten können; denn polizeiliche Maßregeln, das Verbot des Vertriebes und ähnliches haben bekanntermaßen immer nur die entgegengesetzte Wirkung gehabt. Aber wer diese Aufgäbe auch nur gestellt hätte und den Vorschlag gemacht, es sollten die Berufenen zusammentreten, um dafür zu sorgen, daß die Jugend, die Zukunft des menschlichen Geschlechts, vor Schaden bewahrt bliebe, er wäre bald zur Strecke gebracht worden wegen seines tempelschänderischen Angriffes gegen das Heiligtum der Kunst. Da erinnern wir uns an die Urteile, die bei der vermeintliehen Zerstörung der Kathedrale von Reims zutage traten. Die allgemeine Hetze gegen Deutschland war ja vor allem von unseren Feinden angestiftet, um die Neutralen gegen uns aufzuwiegeln,und die allgemeine Abneigung dieser gegen Deutschland griff diesen Vorwand sehr gern auf. Doch bei vielen geistig Hochstehenden war die Erbitterung über die Vernichtung dieses großen Kunstwerks eine ehrliche. Und auch in Deutschland selbst wandte man sich zumeist nur gegen die Verleumdung und leugnete die Tatsache der Zerstörung. Aber doch fanden eine Reihe von Männern und unter ihnen hervorragende Künstler den Mut zu der Erklärung, daß die ganze Kathedrale von Reims nicht so viel wert sei wie ein gebrochenes Mutterherz, und wenn nur das Leben eines einzigen deutschen Soldaten auf dem Spiele stände dadurch, daß der Feind das Bauwerk als Deckung oder als Beobachtungspunkt benutzte, dann wären die Deutsehen im Recht gewesen, wenn sie das große Kunstwerk der Vernichtung preisgegeben. Nun wohl, so fragen wir, und das ewige Wohl oder — um von religiösen Werten abzusehen — die sittliche und nicht zuletzt die körperliche Gesundheit zahlloser Jünglinge und