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Jeschurun · 1915-11-01 · Heft 11 (November 1915) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 11 (November 1915)
Date
1915-11-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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494 Gegen den Ästheticismus. mit aller Scheinwahrheit aufgeräumt, und unsere Ästheten in Wissenschaft und Kunst, in Ethik und Politik sind sehr kleinlaut geworden. Denn der Krieg läßt nicht nur die Kraft, er läßt auch die Wahrheit erscheinen. Es ist freilich nicht anzunehmen, daß die Philosophen und Naturforscher, die Jahrzehnte hindurch sich in die Vorstellung des Monismus von Gott und Welt hineingelebt, ihr untreu geworden. Häckel und Ostwald haben sicher nicht umgelernt. Aber ihre Nachbeter, die vielen, welche die naturphilosophischen Prinzipien der Masse mundgerecht zu machen suchten, die nicht müde wurden, den Gottesbegriff der positiven Religionen herabzusetzen und den ״Dualismus“ für alle Schwierigkeiten verantwörtlich zu machen, welche die übersinnliche Vorstellung von Gott jedem Denkenden aufgibt, sie sind verstummt und lassen nun , auch die Bekenner altreligiöser Gedanken zu Worte kommen. Es ist nicht nur der Burgfriede, es ist nicht nur die Zensur, die alle Lobpreisungen jener jüngsten Vergangenheit unterbindet. Eine innere Wandlung ist in vielen vorgegangen, sie haben im Feuer des lodernden Weltbrandes die Nichtigkeit ihrer Ideale erkannt. Verschwunden ist auch die Forderung: ״sich auszuleben“ verschwunden in Wort und Geste, im Bild und auf der Bühne. Verstummt sind die Seelenkünder, die ihr eigenes Ich bis in die letzte Faser zergliederten und das krause Durcheinander als tiefe Psychologie ausgaben, verstummt die Dichter, welche nur die Krankheitsgeschichte vom Lebensgenuß übersättigter ״Helden“ als würdigen Vorwurf nehmen. Die Gattenliebe, die stärker ist als der Tod, hat ihr ewiges Recht zurückgewonnen, die Elternliebe ist nicht mehr veraltete Schrulle, die Autorität wieder zu Ehren gekommen. Aber warum diese Wandlung, fragen wir, und wir werden es mit Nachdruck nach dem Kriege fragen, wenn jene alten Bestrebungen sich allzulaut wieder vordrängen sollten. Ideale sind nicht an Zeitumstände gebunden, und gerade in den harten Stunden der Not müssen sie sich bewähren. Doch sie haben

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