Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 11 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Gegen den Ästheticismus. 4B9 die Schilderung der Herrlichkeiten in der Natur und durch den Nachweis, daß die Summe aller Erscheinungen ein einziger Gedanke beherrscht. Nichts anderes aber hat der Monotheismus gelehrt, von seinen Verkündern in der Bibel bis auf seine Bekenner in unserer Zeit. Von der wunderbaren Gestaltung der Natur haben sie die stärksten Kräfte für ihr religiöses Innenleben gewonnen und aus der Einheit in aller Mannigfaltigkeit, die ihnen so deutlich vor die Augen trat, daß sich die ganze Welt als ein Makrokosmos, ein einziger Organismus ihnen darstellte, aus dieser Einheit glaubten sie den stärksten Beweis für das Dasein eines Schöpfers erbringen zu können. Wir müssen es uns versagen, näher darauf einzugehen. Wir wiederholen nur: den, der sieh mit den Erzeugnissen der modernen Literatur eingehend beschäftigt, übermannt oft der Zorn> wTenn er sieht, wie aus der Schatzkammer unserer heiligen Literatur entwendetes Gut dazu dienen muß, den fremden Tempel zu schmücken. II. Man hätte erwarten dürfen, daß aus dieser monistischen Weltanschauung eine Lebensanschauung erwachsen würde, die das Wohl des einzelnen hinter dem der Gesamtheit zurücktreten läßt und, mochte sie noch so sehr auf das Diesseits gerichtet sein, die Pflicht der Unterordnung in den Mittelpunkt alles menschlichen Wirkens rücken würde. Statt dessen drang der ethische Individualismus immer weiter vor und unterwarf sich Kopf und Herz der Alten und der Jungen. Sicherlich ist der Zusammenhang zwischen den! Monismus und der Ethik, die das Wohl und Wehe des Individuums zum Maßstab nimmt, nur ein äußerlicher. Aber als der alte Gott entthront wurde, war es nur natürlich, daß der Mensch sich selbst das Gesetz seines Handelns gab und, da die Schranke einmal niedergerissen war, sein eigenes Ich in den Mittelpunkt stellte. Freilich so ganz schuldlos ist der Monismus nicht an der Entwickelung, die vor allem im Volksbewußtsein in bezug auf die sittliche Lebensanschauung sich vollzogen hat. Sein Kampf gegen den ״Dualismus“ der positiven Religionen hat dazu geführt, daß