Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 11 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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438 Gegen den Ästheticismus. ausgegossen ist. Der Zauber der Sprache und die dichterische Verklärung von Vorgängen in der Natur ist es denn auch, was dem Monismus so viele Nachbeter zuführt. Wir brauchen nur zu erinnern an Bölsche. Die Erhabenheit und Schönheit der Natur, all die Lieblichkeit und Anmut, die über das Tier- und Pflanzenleben sich vor unseren Augen ausbreitet, könnte nicht ergreifender und herzerquickender geschildert werden, als es von diesem Manne geschieht, der in seltener Weise eine umfassende Kenntnis der Dinge und Erscheinungen in der Natur mit der Fähigkeit verbindet, all die Einzelheiten in die adäquate dichterische Form zu bringen. Bei ihm und bei den anderen enthalten aber diese dichterischen Ergüsse zugleich eine religiöse Färbung. Die Naturschwärmerei wird s. v. v. zur Gottes- Verehrung, der Naturdienst zum Gottesdienst. Es wiederholt sich hier, was uns aus dem Altertum wohlbekannt ist. Der Polytheismus war Naturdienst. Seine edelste Form erhielt er in der griechischen Keligion, weil der Schönheitssinn der Griechen die mit den religiösen Gefühlen verwandter! ästhetischen zu besonderer Vollendung zu gestalten wußte. Unsere Zeit hat vor dem Altertum unendlich viel voraus. Zuerst die viel reichere Kenntnis der Natur, sodann aber den monistisehen Zug, die durch die Jahrtausende hindurch gewonnene und unverlierbar gewordene Ueberzeugung der Menschheit, daß das scheinbar Viele, das unendlich Mannigfaltige der Welt den Stempel eines Geistes trägt, eine geschlossene Einheit darstellt. Die Kombination dieser beiden Momente verbunden mit der Bereicherung der Gefühle, die eine verfeinerte Kultur immer mannigfaltiger gestaltet hat, erzeugt darum den modernen Naturdienst, an Stelle des Polytheismus tritt der Monismus, beide aber sind, wie erwähnt, in ihrem Wesen identisch. Es wäre wiederum eine höchst dankbare Aufgabe, zu zeigen, daß alles Positive, was die Monisten dem von der alten Religion abgefallenen und nach einer neuen religiösen Erhebung darbenden Geschlecht zu bieten haben, auf dem Wege der Erschleichung gewonnen ist. Die tiefen Wirkungen, die sie auf ein empfängliches Gemüt zweifeflos ausüben, erzielen sie durch